Verlust - Abschied - Trauer

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Trauer kann man als Heilungsprozess verstehen. Der braucht seine Zeit. Am Ende steht die Chance, den Verlust zu akzeptieren und das Neue anzunehmen, das Verhalten der veränderten Situation anzupassen.

Trauer – Wenn ich traurig bin, zeigt es, dass ich etwas sehr Schönes besessen habe. Ich bin dankbar für diese Zeit, fühle jedoch, wie zerbrechlich auch das sein kann, was mir jetzt bleibt.

Das Durchleben der Trauer kann mir helfen, persönlich zu wachsen und darüber zu neuen Lebenszielen, Lebenssinn und Zufriedenheit vorzustoßen.

Hier zitiere ich gerne noch einmal Pfarrer Gottfried Lutz:

In der Auseinandersetzung mit den Behinderungen bin ich der Mensch geworden, der ich bin. Insofern sind sie nicht gerade ein Segen, aber mein Leben empfinde ich trotzdem als gut und gesegnet.

Gibt es Todsünden beim Trösten? Vergleichen, bewerten von Trauer verbietet sich und ist nicht hilfreich. Die Trauer des kleinen Mädchens, dessen Lieblingspuppe von einem anderen Kind zerstört wird, ist nicht geringer als die Trauer der Mutter, die ihr Kind verloren hat. Für eine kurze Zeit ist diese Trauer vergleichbar stark, schmerzhaft, verstörend.

Dem Traurigen die Trauer nehmen wollen: Ist doch nicht so schlimm – Ach ja? Wer darf das denn beurteilen?

Leere Redensarten: Besser taub als blind – mag sein, aber taub reicht zum Traurigsein.

Falsche Ratschläge: Geh' doch einmal unter die Leute! (Wenn ich das aber einfach noch nicht kann!)

Nutzlose Appelle: Musst nicht soviel darüber nachdenken!

Unehrlichkeit: Schwerhörig bist Du, merkt man gar nicht! (So??? Warum atmest Du denn so tief ein, wenn Du für mich einen Satz noch einmal wiederholen musst?)

Jetzt ist das eingetreten, was ich befürchtet habe: Das Riesenthema ist in 90 Minuten nicht zu bewältigen. Das hatte ich allerdings auch nicht vor. Wichtig war mir, uns Alle etwas sensibler zu machen für unsere Traurigkeit in den verschiedensten Lebenssituationen, aber auch für die Trauer des Anderen.
Wenn wir es fertig bringen, das krampfhafte Festhalten

  • an den gewohnten Lebensumständen,
  • an unserem Image,
  • an unseren Vorstellungen von einem guten Leben

zu beenden, sind wir frei für etwas Neues, können wir diese Kraft, die durch das Klammern vergeudet wird, für etwas Gutes, Wohltuendes einsetzen.
Trauern ist der schmerzhafte Weg eines Heilungsprozesses. Es tut weh, aber wir können HEIL werden. Unsere Ohren sind zwar schlapp, aber WIR sind es nicht.

Ich hoffe, es war nicht allzu traurig, sondern hat auch Spaß gemacht. Am Niederrhein, wo ich geboren wurde, sagt man „Freud jeht vor en neu Hemd.“ Mit dieser Grundeinstellung kann man gut leben, nein, sollte man leben!

Nun möchte ich Ihnen von Herzen Dank sagen, dass ich hier in Pappenheim mit Ihnen zusammen sein durfte. Die Abfassung des Workshops war nicht immer leicht für mich. Eine Fülle von Material musste gebändigt werden, allerdings auch in meinem Kopf und meinen Gefühlen.

Für den schönen Nachmittag mit Ihnen und das Vertrauen, das Sie mir entgegengebracht haben, danke ich Ihnen von Herzen. Ich wünsche Ihnen noch viele gute Begegnungen hier in Pappenheim.


Die Kürze der Zeit für diesen Workshop – nur 90 Minuten blieben uns insgesamt – ließ mich befürchten, dass sich bei den TeilnehmerInnen einfach nichts bewegen konnte. Da sollte ich mich aber täuschen!

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