Erfahrungsbericht zum Thema Rehabilitation

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Kommunikation steuern: Möglichkeiten - Grenzen - Akzeptanz

Mein Fazit lautet also: Ich kenne nun meine Möglichkeiten, aber auch meine Grenzen in Verbindung mit der Hörschädigung. Ich bin selbst in der Lage Kommunikationssituationen zu steuern, Bedingungen aufzustellen, unter denen ich eine Chance habe zu verstehen, aber auch Situationen zu akzeptieren wo ich nicht „mithalten“ kann.

Aber es war ein beschwerlicher Weg dorthin. Dabei hatte ich noch viel Glück, ich bin auch kein Mensch, der schnell aufgibt und sich „hängen lässt“. Ich habe einige Lebensjahre „verschenkt“, in denen sich alles sehr viel negativer hätte entwickeln können. Für andere Menschen in ähnlicher Situation hat es sich auch tatsächlich viel negativer entwickelt, wie ich durch viele Kontakte zu Schwerhörigen weiß.

 

Wie hätte es besser laufen können?

Selbstverständlich hätte ich mir eine bessere Beratung durch meine damalige Vertrauensperson – der erste HNO-Arzt – gewünscht. Damals hätte ich mir gewünscht zu erfahren, welche Folgeerscheinungen Schwerhörigkeit hat. Dass man geneigt ist, sich zu isolieren, dass man Außenstehenden kaum erklären kann wie man versteht und wann und warum man nicht versteht. Dass ein Hörgerät eine Hilfe, aber keine Kompensation der Schwerhörigkeit für mich bedeutet und technische Hilfen und Tinnitus und.... Aber ich sehe ein, das ist nicht sein Job und die umfassende Beratung kann man in dem Beruf nicht leisten.

Vielen HNO-Ärzten fehlt auch die Rückmeldung der Betroffenen, um die Bedeutung einer solchen Beratung einzuschätzen. Mit meiner heutigen HNO-Ärztin ist es zum Glück wirklich ein vertrauensvolles Verhältnis geworden.

Aber! Ich hätte eben von Anfang an gerne gewusst, dass die Kompetenz hier eben nicht ausschließlich bei den HNO-Ärzten liegt. Ich hätte mir gewünscht, das kommunikative Handwerkszeug noch vor der Tinnitus-Reha zu erhalten. Dann wäre der Reha-Erfolg noch größer geworden. Heute weiß ich, dass die damalige Kommunikation mit anderen Reha-Teilnehmern dadurch noch intensiver hätte sein können.

Es wäre ein großer Vorteil, ein Beratungsangebot über alle Möglichkeiten der Rehabilitation zu schaffen, das Möglichkeiten der Technik, Medizin oder Kommunikation aufzeigt, und das versucht einen individuellen Reha-Plan für die Betroffenen vorzuschlagen. Ich kenne viele Hörgeschädigte, die zuerst eine Reha in Rendsburg gemacht hätten, um überhaupt Kommunikationswerkzeug zu erhalten. Weitere medizinische oder berufsfördernde Maßnahmen wären dann sicherlich noch erfolgreicher verlaufen und es hätte eine Integration sehr erleichtert.

 

Ich habe das Kommunizieren letztlich gelernt und dabei viel Glück gehabt, dass ich mich „durchgekämpft“ und nicht resigniert habe. Heute darf ich hier meine kleine Geschichte erzählen. Ich hoffe, hiermit meinen kleinen Teil für ein besseres Netzwerk in der Rehabilitation von Hörgeschädigten beizutragen. Ich möchte es nicht bei dem heutigen Termin belassen. Ich würde mich freuen, wenn ich mich auch weiterhin zu diesem Thema einbringen könnte. Vielen Dank!

 

Wer Fragen an den Autor Matthias Streckenbach hat, kann über das Webteam Kontakt aufnehmen.

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