Hephata - ich befreie mich von meiner Scham

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Im zweiten Teil haben sich vier – fünf Teilnehmer zu Kleingruppen zusammengefunden. Sie waren eingeladen, zu den nachfolgenden Fragen ins Gespräch zu kommen und die Erfahrungen der großen Runde später zu berichten.

  • Wann ist das Schamgefühl für mich notwendig und gut?
  • Wann lähmt mich die Scham und steht mir im Wege?
  • Was kann ich tun, um die Hemmung, die Blockade zu lösen, um Mut zu fassen, zu mir, zu meiner Schwäche zu stehen?

Die Kleingruppen kamen wunderbar ins Gespräch. Am Anfang dominierten die Redegewandteren, in der zweiten Hälfte waren alle am gemeinsamen Thema beteiligt. Mit der angebotenen halben Stunde kamen die meisten nicht aus, zu intensiv war der Austausch.
Die Ergebnisse waren aus meiner Sicht sehr wichtig, aber viel bedeutender war die Intensität und Offenheit der Gesprächsführung.

Gedanken aus den Gruppen:

  • Das Entstehen der Scham liegt nicht nur an uns und unseren Erwartungen, es existiert auch ein großer Druck von außen. Aber vieles hängt auch von uns ab. So müssen wir bei einer Feier/Party nicht unbedingt alles verstehen.
  • Das Schamgefühl ist notwendig, wenn es vor Fehlern und Leichtsinn bewahrt. Ist es jedoch zu stark ausgeprägt, entsteht ein Verlust der Lebensqualität.
  • Es ist sinnvoll, kleine Schritte bei der Lösung der Blockade zu gehen. Es soll sich positiv entwickeln und ist ein Lernprozess. Konkrete Beispiele sind Selbsthilfegruppen. Man lernt, dass man nicht alleine ist, es gibt Hilfsangebote. Religion, konkret das Gebet, die Zwiesprache mit Gott kann eine Möglichkeit der Problemlösung sein.

Eine andere Gruppe:

Das Schamgefühl kann in Protest, in Aggression umschlagen. Was soll eigentlich so schlimm an der Scham sein, z.B. wenn man sich outet als Schwerhöriger? Es hängt viel von der Situation ab, wie sehr man sich schämt.

Die Reaktion des Anderen kann das Gefühl der Behinderung verstärken, z. B. wenn man im Beruf Hörprobleme hat oder Namen nicht versteht. In manchen Situationen ist Scham gut und erforderlich. Gefahr: Vermeidenshaltung.

Wenn jede Situation vermieden wird, die mich stark verunsichert, besteht die Gefahr, Chancen zu verpassen. Es entsteht der Teufelskreis der Scham, wenn man sich schämt, dass man sich schämt. Scham kostet Energie.

Es kommt auf die jeweilige Situation an. Man muss abwägen, ob man über den eigenen Schatten springen kann, manchmal fällt es schwer. Vielleicht kommt man von der Scham zum „unverschämt sein“
… Es steckt sehr viel in diesem Thema.

Eine dritte Gruppe:

Schamgefühl kann mich vor Schaden schützen. Beispiel: Das Schamgefühl eines pubertierenden Mädchens kann sie vor schwierigen Situationen bewahren. Es gibt Notwendigkeiten, jemandem eine unangenehme Wahrheit zu sagen, Fehlverhalten zuzugeben.
Zunächst schäme ich mich davor. Ich habe Angst, Grenzen zu überschreiten, habe Angst vor der Reaktion des Anderen. Es gibt die Möglichkeit, in einer Selbsthilfegruppe zu sein. Es gibt Techniken, mit denen man sein Ich stärken kann, z. B. Atemübungen.
Wir haben viel diskutiert.

Eine vierte Gruppe:

zu 2. Die Scham steht mir im Weg, wenn sie mich abhält, zu mir zu stehen. Sie kann lebensfeindlich und fremd werden.
zu 3. Wir haben uns daran erinnert, dass wir Seelsorger sind. Der Guthörende kann auch genauso leiden wie der Schwerhörige, wenn die Kommunikation sehr schwierig ist.
Beide Parteien leiden unter dieser gestörten Kommunikation. Ich denke, man könnte mit dem Thema einen weiteren Tag gestalten, es kann nur ein Bewusstmachen sein.

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