Ausgewählte Artikel aus der Mitgliederzeitschrift "FORUM" vermitteln die Philosophie der Deutschen HörbehindertenSelbsthilfe e.V. sicher am besten.

Die Themen reichen vom Leben mit der Schwerhörigkeit und ihren Folgen über Tipps zur Kommunikationstaktik oder Aktivitäten von Selbsthilfegruppen bis hin zu Erlebnisberichten aus Rehas und vielen weiteren Themen.

Viel Spaß beim Stöbern!

Maggi - oder die Würze im Leben als schwerhöriger Mensch

Artikel aus FORUM 12, Dezember 1999 , Seite 23 ff  

In diesem Bericht schildert Anne Jung ihre Eindrücke vom DHS-Herbstseminar 1999 in Königswinter. Im Workshop referierte Jochen Müller über die These "Leben ist Einsam-Sein", aktiv erarbeiteten die Teilnehmer Erkenntnisse wie "Ändere die Umstände - oder deine Einstellung zu ihnen".

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DHS HERBSTSEMINAR 2009 - Vom Umgang mit Kränkung

Teilnehmerrückmeldungen zum DHS HERBSTSEMINAR 2009 mit dem Thema "Umgang mit Kränkung"
im HELIOS Reha-Zentrum Baumrainklinik Bad Berleburg, 24.09. bis 27.09.2009

Patentrezepte gab es nicht

Unter Kränkung wird die Verletzung eines Menschen in seiner Ehre, seinen Gefühlen und in seinem Selbstbewusstsein bezeichnet. Eine Definition im Internet zu finden ist nicht schwer, aber sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen ist viel schwerer.

Die Theorie wurde an vielen praktischen Beispielen erklärt, aber verstehen kann das nur ein Hörbehinderter selbst am besten. Die Referentin, Frau Kieslich-Hoffmann, hat sich redlich mit uns Mühe gegeben. Sie hat es auch geschafft, uns emotional ein wenig in die Lage zuversetzen, früher erfahrene Kränkungen zu erinnern und nachzuempfinden.

Wir haben auch erfahren, von uns ausgeteilte Kränkungen besser zu verstehen. Aber ein Stückchen Abstand blieb zwischen uns.

Ich denke, ich spreche auch im Namen der anderen. Wir konnten im Verlauf des Seminars hin und wieder die Grenzen der Referentin erkennen, weil sie selbst im eigenen Leben keine Erfahrungswerte sammeln konnte, was Hörbehinderung jeden Tag aufs Neue bedeutetet. Die Gefühle spielen eine besonders große Rolle, vor allem dann, wenn der Hörstatus sich, wie bei mir, durch eine bessere Technik der Hörgeräte rapide verbessert hat. Ich habe während des Seminars einige Anregungen speziell für mich mitgenommen, auch wenn es keine Patentrezepte gab. Aber das war wohl auch nicht Inhalt des Seminars. Es sollte wohl jeder „Seins“ für sich herausfinden.

Wie beim letzten Seminar (SPRECHERSEMINAR in Bad Grönenbach), an dem ich teilnehmen konnte, fühlte ich mich wieder sehr wohl im Kreise der Schlappohren. Trotz des unterschiedlichen Hörstatus habe ich eine wohltuende Herzlichkeit und Offenheit der Seminarteilnehmer gespürt. Ich denke, das wird mir Kraft und Energie für einige Zeit auch nach dem Seminar noch geben.

Ich freue mich ganz besonders auf ein Wiedersehen mit vielen in der Oberlausitz 2010, wo auch immer das sein wird. In jedem Fall brauchen wir nicht wieder acht Stunden mit dem PKW fahren.

Ein ganz großes Dankeschön an alle Organisatoren, denn es war alles gut vorbereitet und durchdacht. Selbst das Wetter hat recht gut mitgespielt.

Liebe Grüße an alle Schlappohren aus der Oberlausitz/ Görlitz von Uschi


Brief einer Teilnehmerin an die Arbeitskollegen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

am vergangenen Wochenende habe ich an einem Seminar der Deutschen Hörbehinderten Selbsthilfe e.V. (DHS) zum Thema „Umgang mit Kränkung“ teilgenommen.
Einer der vielen Teilbereiche betraf die „Kränkung am Arbeitsplatz“, und wer Lust und Interesse hat, kann sich mit diesem – kurz gehaltenen – Bericht informieren.

Schwerhörige haben gerade bei der Kommunikation und insbesondere bei der Kommunikation am Arbeitsplatz besondere Bedürfnisse, die von den gut hörenden Kollegen oftmals vergessen oder zu wenig beachtet werden. Ein Übergehen dieser Bedürfnisse erschwert den Schwerhörigen nicht nur die Arbeit, sondern auch das soziale Miteinander und wird deshalb häufig von diesen als Kränkung empfunden, obwohl dies ganz sicher in den allermeisten Fällen von den Kollegen gar nicht so gemeint ist.
Gleich zu Anfang, als wir in der Vorstellungsrunde unsere Erwartungen an das Seminar verglichen, stellte sich heraus, dass die meisten Teilnehmer, die sich in Arbeit befinden, doch sehr ähnliche Probleme am Arbeitsplatz haben und dort auch ähnlich reagieren – dass sie nämlich viele Situationen als Kränkung bewerten, weil sie auf Dauer „dünnhäutig“ und empfindlich geworden sind.

Natürlich gibt es auch im privaten Bereich viele als kränkend empfundene Situationen, und natürlich gibt es auch viele kränkende Ereignisse, die nichts mit der Hörsituation zu tun haben – für euch möchte ich jedoch die Gelegenheiten beleuchten, die durch die Hörbehinderung hervorgerufen werden.

Es scheint relativ unabhängig, in welchem Hörstatus (mittel- oder hochgradig schwerhörig, an Taubheit grenzend oder ertaubt – mit oder ohne Hörgerät oder mit Implantat) sich der Betroffene befindet – auf die immer wiederkehrende Missachtung der Bedürfnisse reagieren wir alle ähnlich.
Dabei arbeiteten wir heraus, dass wir oftmals allzu leichtfertig voraussetzen, dass die gut hörenden Kollegen unsere unsichtbare Behinderung immer im Auge haben. Das ist aber eben nicht der Fall, und wir müssen immer wieder daran erinnern, welche Notwendigkeiten erforderlich sind, um mit uns zu kommunizieren.

Und genau dies ist einer der Punkte, die wir als Kränkung empfinden – und einer der Punkte, die die Seminarleiterin versuchte zu relativieren: „Ihr überfordert eure gut hörenden Kollegen, wenn ihr voraussetzt, dass sie immer an eure Behinderung denken“.

Ein weiterer Punkt war die Tatsache, dass wir natürlicherweise häufiger Informationen nicht mitbekommen (mit den entsprechenden, nachteiligen Folgen auf der Arbeit).

Auch fühlen wir uns gekränkt, wenn wir bei Gesagtem, bei dem wir um Wiederholung bitten, die Antwort erhalten „War nicht so wichtig“. Wir fühlen uns unsicher, da wir nie sicher sein können, alles verstanden zu haben, oder wir fühlen uns sogar entmündigt, denn jeder normal Hörende entscheidet selbst, was wichtig und was unwichtig ist. Auch wir wollen alles mitbekommen, und auch wir wollen selbst entscheiden, welche Informationen relevant sind und welche nicht.

Sehr häufig sind auch Situationen, in denen wir uns aus der Gemeinschaft ausgeschlossen fühlen, weil wir nicht alles mitbekommen. Gerade die Bemerkungen „am Rande“, kurz eingeworfene Äußerungen in Gruppenbesprechungen, Konferenzen oder auch beim Mittagstisch, über die die anderen lachen, können wir nicht oder nicht ausreichend hören – und schon fühlen wir uns im wahrsten Sinne des Wortes ausgegrenzt. Auch dieses sind von den gut Hörenden nicht registrierte, regelmäßige Vorkommnisse, die wir auf Dauer als sehr kränkend empfinden.

Im Laufe des Seminars lernten wir verschiedene Techniken, die uns nach und nach in die Lage versetzen sollen, Situationen richtig zu gewichten und zu bewerten, jedoch wurde uns auch bewusst, wie wichtig immer wieder die Einbeziehung der Kollegen in unsere Probleme ist. Nur der ständige, wert- und vor allem vorwurfsfreie Dialog über die Hörbehinderung versetzt die gut Hörenden in die Lage, die Probleme der schlecht Hörenden zu verstehen und die erforderlichen Verhaltensweisen möglichst häufig zu beachten. Und dies wird dann auch dazu führen, dass wir Betroffene uns mit unserer Behinderung besser akzeptiert fühlen und Situationen, die doch mal nicht so ganz rund laufen, nicht mehr so ernst nehmen. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, dass wir im Bedarfsfall sagen können: „Kannst du das bitte noch einmal wiederholen“, „Hab ich wieder nicht mitgekriegt, kannst du mich bitte anschauen“ oder „“Nimmst du bitte die Hände vom Mund“ und dies mit einem Augenzwinkern und Lächeln tun können – dann haben wir es gelernt, die unbeabsichtigten Situationen nicht mehr als Kränkung zu verstehen – so wie sie ja auch nicht als Kränkung beabsichtigt waren.

Als weiteren Aspekt mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass auch unser eigenes Verhalten oftmals von den Kollegen als kränkend empfunden wird – sei es, weil wir zu laut sprechen oder sei es, weil wir ungehalten sind, weil wir unsere Bedürfnisse wiederholt einfordern oder erbitten müssen.
Es wurde jedoch schnell klar, dass wir nicht erwarten dürfen, dass jeder normal Hörende ständig an unsere Behinderung denkt – eben weil sie unsichtbar ist – und vielleicht auch, weil wir durch erhöhten Einsatz von Aufmerksamkeit doch noch allerhand mitbekommen. Und natürlich müssen wir auch anerkennen, dass ein Hörbehinderter mit seinen Bedürfnissen für normal Hörende eben manchmal wirklich anstrengend sein kann – bzw. die besonderen Verhaltensweisen, die sich daraus ergeben.

Dies anzuerkennen, ist für uns Betroffene nicht ganz einfach – aber normalerweise sollte das in einem guten Arbeitsumfeld und -klima eigentlich keine Rolle spielen. Ich würde mich freuen, wenn ihr mich ansprecht, falls ihr Fragen zu Hörbehinderungen im Allgemeinen und meiner Hörsituation im Besondern habt. Gerne wüsste ich auch von euch, wie ihr mit meiner Situation umgeht oder ob ihr Verbesserungsvorschläge für unsere Kommunikation habt. Je mehr wir – zumindest in dieser Beziehung – von- und übereinander wissen, desto besser wird die Kommunikation klappen.

Übrigens: Solche Treffen von Schlappohren, wie wir uns selbst nennen, bringen trotz eines großen Arbeitspensums großen Spaß und bei aller teilweise sogar schmerzhaften Arbeit mit einem Thema auch Entspannung: Niemand muss als erstes da sein, um einen Platz ganz vorne zu ergattern, um zu hören, denn niemand braucht sich darum zu kümmern, wo er sitzt. Alle Plätze sind bestens mit Technik ausgerüstet, Gebärden- oder Schreibdolmetscher sorgen für ergänzende Deutlichkeit und überall ist so gleich gut zu hören oder eben zu lesen und zu sehen. Niemand hat ein schlechtes Gewissen, wenn man zum 5. Male „Wie bitte?“ fragt – zur Not wird gebärdet oder geschrieben. Niemand nimmt übel, wenn der Nachbar schreit (auch wenn es stört), denn wir wissen, warum das so ist. Ein respektvoller, freundlicher, ja liebevoller Umgang miteinander tut hier so richtig gut, so dass viele nicht nur wegen der Themen zu den regelmäßigen Seminaren der DHS kommen, sondern einfach nur, um die vielen Schlappohr-Freunde wieder zu treffen.

Wenn ihr wollt, könnt ihr hier mehr über die DHS lesen: www.hoerbehindertenselbsthilfe.de

Liebe Grüße

Doris

Kommunikationstraining für Hörgeschädigte

Artikel aus FORUM 11 Juni/Juli 1999 , Seite 19 ff

In ihrem Artikel "Kommunikationstraining für Hörgeschädigte" berichtet Marianne Becker, Kommunikationstrainerin und Audiotherapeutin, was man als hörbehinderter Mensch - aber auch als Guthörender - beachten und verändern kann, um zu einer guten Kommunikation beizutragen.

Weiterlesen: Kommunikationstraining für Hörgeschädigte

Rund um Selbsthilfegruppenarbeit, Themen, Problembewältigung und Selbstdarstellung

Kurzreport vom RUNDEN TISCH SHG 2008 und den Ergebnissen der Kleingruppenarbeit FORUM 29/30

RUNDER TISCH SHG und Supervision für Gruppensprecher

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Mit Unterstützung der Helios-Klinik „Am Stiftsberg“ haben wir wieder beste Arbeitsbedingungen für unseren Austausch auf SHG-Ebene angetroffen; mit zwölf Teilnehmern ist unser Angebot zum RUNDEN TISCH SHG sehr gut aufgenommen worden, und drei neue Gruppensprecher bereicherten unseren Austausch.

Alle SHG-Sprecher kamen in ausführlichen Selbstdarstellung zu Wort, wobei sowohl persönliche Bilder als auch Informationen über die Gruppe und ihre Arbeit auf den TISCH kamen.

Die momentan etwas belastende Situation mit der ungeklärten Selbsthilfeförderung wurde besprochen, und Tipps aus der Praxis für die Praxis gingen hin und her.

Da war am Ende die Zeit dann etwas knapp für unseren Plan, die SHG-Studie "Hören" von Herrn Dr. Koch-Bode für die SHG-Arbeit auszuwerten. Dennoch haben wir hier einiges erarbeitet.

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 SHG-Studie „Hören“ - wir machen was daraus!   

Unter diesem Motto haben wir uns am „RUNDEN TISCH SHG“ im Mai in Bad Grönenbach mit der Studie von Dr. Koch-Bode beschäftigt.

Über die Ergebnisse dieser Gemeinschaftsarbeit darf ich Euch hier berichten und möchte mich zunächst einmal bei den Mitstreitern „am Tisch“ bedanken für ihre engagierte Mitarbeit: Regina Klein-Hitpass, Margit Gamberoni, Thomas Kluck, Sonja Renken, Elke Kraft, Erika Kläner, Ella von Briel, Anneliese Mayer, Ursula Schulze, Karola Bittner und Rainer Schertler.

Aus dem in FORUM 29 veröffentlichten Texten hatte ich als Arbeitsgrundlage folgende Teilergebnisse der Studie herausgegriffen und mit einer Frage versehen zur Diskussion gestellt:

1. Chance auf Kontakt zu Gleichbetroffenen
Wie stellt die SHG sicher, dass Kontakt mit der SHG möglich wird ?
2. Beweggrund: Problembewältigung
Wie geht das in Eurer SHG? Wie könnte es evtl. auch anders gehen?
3. Erfahrungen aufnehmen und geben
„Produktive Kommunikation“ - was ist das für Euch?
4. Selbstdarstellung
Welchen Raum geben wir anderen in der Gruppe? Wo setzen wir Grenzen?
5. Themenkatalog für die SHG
Unsere Ideen

Die Teilnehmer wählten die Fragen zu den Punkten 2. Problembewältigung, 4. Selbstdarstellung und 5. Themenkatalog zur Bearbeitung in Kleingruppen und hier sind die Ergebnisse:

PROBLEMBEWÄLTIGUNG – WAS MACHEN WIR DA?

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(erarbeitet von Regina, Ella und Anneliese)

A) Problem in „Scheiben“ schneiden

  • Sich öffentlich „outen“ als Schwerhörige(r)
  • Verstehen und sich verstanden fühlen – gegenseitige Rücksichtnahme
  • Angenommen werden, so wie man ist – Akzeptanz untereinander
  • Ballast abwerfen – über die Probleme reden können in der Gruppe ist befreiend
  • Neues Selbstvertrauen finden
  • Neue Kommunikationsform finden

B) Spiegelbild – (Selbst)-Reflexion

  • Bewusstheit, nicht allein zu sein mit dem Problem
  • Erkennen der eigenen Stärken (trotz Behinderung) und JA zu den Schwächen
  • Ressourcen erkennen und für besseren Umgang mit Schwerhörigkeit nutzen

C) in der Gruppe

  • Alle mitnehmen und sich am schwächsten Mitglied (Hörstatus) orientieren
  • Festlegen: wie gehen wir miteinander um? Regeln aufstellen.
  • Blitzlicht am Anfang bzw. Ende der Stunde: persönliches Befinden bzw. Erleben der Stunde

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SELBSTDARSTELLUNG – WELCHEN RAUM GEBEN WIIR ANDEREN IN DER GRUPPEN?

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(erarbeitet von Elke, Sonja und Thomas)

A) Was ist für uns Selbstdarstellung? (SD)

  1. Mit Selbstdarstellung (SD) ist persönliche Selbstdarstellung eines jeden Gruppenmitglieds gemeint, so wie es Koch-Bode versteht (Etablierung eines bestimmten Selbstbildes, soziale Rolle, etc.).
  2. SD ist ein grundlegender Baustein des Selbstwertgefühls jedes Individuums.Zur SD in der Gruppe gehört, das bei Schwerhörigen typische „Versteckspiel“ zu vermeiden.
  3. SD wird zu einem guten Teil aus Egoismus gespeist.

B) Wie lassen wir SD in der Gruppe zu?

  1.  „Wohlfühlklima“ schaffen: Technische Voraussetzungen schaffen (Induktions- oder FM-Anlage), räumliche Voraussetzungen schaffen (Räume ohne Echo  Hall ist „tödlich“ für Gruppenarbeit, kann nur zum Teil durch gute Technik ausgeglichen werden).
  2. Der Gruppenleiter sollte im Zweifelsfall (z.B. bei Zeitdruck) sich selbst heraus nehmen und seine Belange zurückstellen: Raum schaffen für andere!
  3. Der Mensch soll so gesehen, angenommen und akzeptiert werden, wie er ist.
  4. Gesagtes wird nicht einfach im Raum stehen gelassen. Eine Rückmeldung in Form einer Antwort (auch Kritik) ist wichtig. Der Betreffende sollte das Gefühl haben, ernst genommen zu werden. Auch Kritik zeigt dem Selbstdarstellenden, dass man sich mit ihm beschäftigt.
  5. SD kann nur gelingen im Zusammenhang mit Rückmeldung, egal ob positiv oder negativ; ohne Feedback ist Selbstdarstellung sinnlos und verletzend.
  6. Neues sollte unvoreingenommen akzeptiert werden, ebenso unterschiedliche Meinungen. Dadurch gibt man anderen Raum. Akzeptieren heißt nicht unbedingt Zustimmung, sondern ist Bestätigung, den anderen in seinem „So-Sein“ zu sehen.
  7. Hiermit verbunden ist natürlich direkt die Anerkennung des anderen, unabhängig davon, ob wir die Meinung teilen oder nicht. Nur wer anerkannt wird, kann sich wohlfühlen und kommt wieder.

C) Wo setzen wir Grenzen für die Selbstdarstellung?

  1. Wenn jemand (wie Anne eben so schön formulierte..) in seiner SD zur Hochform aufläuft. Hier, wie auch im Fall von starkem Egoismus, muss der Sprecher oder ein anderes Gruppenmitglied Grenzen setzen, um die anderen zu „schützen“, d.h. ihnen ebenfalls Raum zur SD zu geben.
  2. Gehörlose in der Gruppe, die sich mittels DGS unterhalten, können eine Überforderung in einer Gruppe mit Schwerhörigen sein. Eine SHG ist grundsätzlich offen, muss aber Neuzugängen auch die eigenen Grenzen offenbaren, z.B. dass mit Technik, LBG und Sprache kommuniziert wird. Außerhalb dieses Rahmens, den sich die Gruppe setzt, ist kein Platz für SD.
  3. Ausufernde Ausführungen und endlose Reden, selbst wenn sie wichtig für den gerade Redenden erscheinen, müssen in Grenzer gewiesen werden, um den
    Raum auch für andere zu haben.

D) Unser Resumée

  1. Weil Selbstdarstellung (SD) so stark an die Identifikation und das Selbstwertgefühl des Einzelnen gebunden ist, erfordert es besonderes Fingerspitzengefühl, zu entscheiden, was man zulässt und wo man abbricht. So kann es u. U. im Gegensatz zu oben Gesagtem durchaus sinnvoll sein, selbst „Arien“ in epischer Breite zuzulassen, wenn die Gruppe damit einverstanden ist.
  2. Selbstdarstellung (SD) durchzieht fest die gesamte Gruppenarbeit, jeder Versuch eines Redebeitrages kann als SD gewertet werden, mit dem der Betreffende seine Rolle und sein Selbstverständnis in der Gruppe ausloten möchte. SD beschränkt sich allerdings nicht allein auf verbale Kommunikation.

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THEMENKATALOG FÜR DIE SHGS – UNSERE IDEEN

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(erarbeitet von Margit, Ursula, Karola und Rainer)

  • Medizinisch-technische Aufklärung:
    Arzt und /oder Hörgeräte-Akustiker einladen, Logopädin; Audiotherapeutin; Hörtraining und Absehkurse organisieren
  • Arbeitsrecht:
    Fragen an Integrationsamt, Krankenkasse, Partitätischer Wohlfahrtsverband; wie beantrage ich eine Reha; Umgang mit Rententräger;
  • Psycho-soziale Arbeit:
    Kommunikationsmodelle vorstellen (Psychologin, Jochen Müller (BG), Olaf Biemann und Lorenz Lange (RD); Reha-Einrichtungen stellen sich vor; Selbstbewusstsein / Identitätsprobleme thematisieren; Beispiele und Themen aus dem DHS-FORUM, Angebote für Paare (guthörend/schwerhörig); Fachliteratur auswerten (z.B. „Wieder besser Hören“ von der Stiftung Warentest : von der SHG kaufen und jedes SHG-Mitglied bearbeitet nach und nach 1 Kapitel)
  • Freizeit:
    Wanderung, Ausfahrten per Rad, Kegeln, Geburtstagsfeier, Weihnachtsfeier, Sommer-/Grillfest, Stadtführung,
  • „kein Themen“-Tag:
    freier Raum für „eigenes Thema“ jedes Gruppenmitglieds und Erfahrungsaustausch; wichtig: Raum geben – sich selbst einzubringen.

Vielleicht ist hier auch die eine oder andere Anregung für eure SHG-Arbeit dabei – dann hätte sich unsere Arbeit doppelt gelohnt!!
Viel Erfolg beim Ausprobieren und Aufspüren von weiteren Möglichkeiten!


Bericht und Fotos: Anne Jung

Kurzreport (PDF-Dokument) vom RUNDEN TISCH SHG 2008 aus dem Forum 29 / 30

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DHS HERBSTSEMINAR 2005 - Meine vielen Gesichter

Drei Rückmeldungen zum DHS-HERBSTSEMINAR 2005 und Online-Tagebuch zu diesem Seminar (Danke an Verena und Dagmar für die Bereitstellung der Fotos, IR).

Thema: ...meine vielen Gesichter

von Christine Schiffer, Erkrath

Da hatte mich Anne doch angesprochen, ob ich Lust hätte, einige Zeilen über das HERBSTSEMINAR aufs Papier zu bringen. Ich als Schriftsteller – entsprechend zum Seminarthema – noch ein Gesicht.

Der obligatorische Ausflug beim Seminar ging, für die am Donnerstag schon angereisten, am Freitagmorgen per Schiff nach Linz, mit genügend Aufenthalt, das Städtchen zu besichtigen. Zwischendurch traf sich ein großer Teil zum Mittagessen in einem vorher abgestimmten Restaurant– doch das ist alles schon wieder eine andere schöne Geschichte.

Das Buch zum Thema hatte ich nicht gelesen und die Schriftstellerin selber ist mir auch nicht so geläufig, wie der Simmel oder der Kästner. Es ging ja auch nicht um Bücher, sondern um uns, uns Anwesende und das was wir sind, was wir empfinden, um unser Inneres: „Ich bin".

Als Dozenten der Ingard (Prof. Langer), manch einem, der letztes Jahr dabei war, auch bekannt vom Herbstseminar 2004. Oliver war in diesem Jahr verhindert. Dafür hatten wir „lebhaften" Ersatz durch Peter (Dieler) aus Bad Berleburg - selber auch so ein nettes Schlappohr. Die Dozenten kannten sich also mit uns „Schlappohren" schon richtig gut aus. Da brauchten wir keine Aufklärungsarbeit zu leisten.

Käthe und Martina waren wieder da mit ihren fliegenden Händen und dolmetschten, dass die Luft rauschte. Monika saß vor der Tastatur und ratterte sich was ab. Also – was die immer alles mitbekommt so als „Normalhörende" – echt erschreckend viel – vor allem auch die Zwischenrufe, die uns immer wieder alle zum Lachen brachten.

Die Technik funktionierte und so konnte jeder mithören und dadurch auch voll mitmachen, besonders, nachdem der Sprecher dann immer neben Käthe oder Marina stand.

Es gab sehr viel Gruppenarbeit, die von jedem den vollen Einsatz forderte. Wenn ich so bedenke, es ist gar nicht leicht, sein Wesen für andere zu öffnen und im Endeffekt – so ist es doch, über Hoffnungen, Träume und Wünsche zu sprechen. Wer bin ich. Wie sehe ich mich.

Der Freitagabend startet dann mit der allgemeinen Vorstellungsrunde und den Erwartungen jedes Einzelnen zum und vom Seminar.

Es wurde noch kurz was vorgelesen aus dem Buch: Meine vielen Gesichter. Jeder erhielt eine Kopie, damit wir es noch einfacher hatten und auch was für daheim mitnehmen konnten.

Damit war der Freitag dann auch schon erledigt – und wir auch – vom Ganz-Tagesausflug bei dem wunderbaren Wetter, wo schon so viel erzählt und gehört wurde und der Seminareinführung.

Am nächsten Morgen ging es dann nach dem Frühstück voll weiter. Vorwiegend wurden die einzelnen Schritte in Gruppen erarbeitet. Anschließend konnte, wer wollte, sich auch vor der gesamten Mannschaft dazu äußern.

Über Regeln, Vorbilder und Spiegelbilder

Welche Regeln habe ich mal als Kind/Heranwachsender mit auf den Weg bekommen? Auch damit hatten wir uns auseinanderzusetzen und mussten uns darin versuchen, was von diesen Regeln/Vorschriften aus alten Tagen heute noch in unserem Leben Bestand hat.

Was hat sich verändert seit der Kindheit? Die Begriffe wie „negativ" oder „positiv", „gut" oder „schlecht", konnten wir anhand von Personen, die uns als Vorbild dienen oder als abschreckendes Beispiel testen.

Gibt es nicht auch Situationen, in denen die schlechten Eigenschaften, die wir bei anderen Menschen so rigoros ablehnen, von uns bewusst auch eingesetzt werden?

Erschreckende Erkenntnis – ja, das machen wir ja auch. Das Spiegelbild klappte auch mit den so genannten „guten" Eigenschaften.

Kein gut – kein schlecht. Alles austauschbar. Keine Wertung der Sachen, weil ich halt eben auch stinkwütend sein kann und darf.

Jeder zeigte uns sein  „sicheres" Gesicht, seine Seiten, mit denen er oder sie im Leben bisher am besten gefahren ist.

Anderseits trauten wir uns dann auch, die für uns selber nicht so sichere Seite allen Anwesenden auch zu zeigen. Zu zeigen deshalb, weil wir diese zwei Gesichter auf Karten offen vor uns hinhielten und anschließend mit verschiedenen ausgesuchten Gesprächspartnern jeweils im Vier-Augen-Prinzip besprechen konnten. Was waren wir alle mutig. Keiner hat gekniffen.


Ressourcen und Bezugspunkte

Als letzte Gruppenarbeit : die universellen menschlichen Ressourcen. Hier bestand die Aufgabe/Überlegung darin, die eigenen einzelnen Gefühlswelten zu füllen. Vorgegeben waren die Begriffe: spirituell, interaktive Bezugspunkte in der Freizeit oder bei der Arbeit, Nahrungspunkte – aus Essen, Psyche oder Umwelt, das mitmenschliche Miteinander, Sinnlichkeit, Emotionalität, Intellektualität und psychische Gegebenheiten.

Das liest sich schrecklich, die Worte auf dem Blatt waren noch schlimmer und mussten erst einmal übersetzt werden.

Dann ging es zum Seminarende und es folgten die Rituale des Abschiednehmens. Ich selber bin kein Freund von langen Abschieden – aber auch hier von mir noch einmal recht herzlichen Dank an alle, die mir die Teilnahme an diesem Seminar zu einem echten tollen Erlebnis gemacht haben.

Ich habe viel gelernt – über mich für mich. Dabei habe ich aus der Gruppe sehr viel Hilfe und auch positive Rückmeldungen erhalten. Ich freue mich auf nächstes Jahr. Macht weiter so.

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Anstrengender Ablauf - aber genau richtig so!

 von I.S.

Ich habe für mich die Tage hier als sehr schön empfunden; ich war am Donnerstag schon angereist und fand dieses Extra-Angebot ganz super, weil ich mich langsam fallen lassen konnte und dann das Gefühl hatte, „du bist jetzt schon da", „du weißt, wo du bist".

Insgesamt war der Ablauf für mich oft richtig anstrengend und es waren bei der Arbeit auch Sachen dabei, die mir manchmal zunächst zu viel waren oder wozu ich keine Lust hatte...

Aber im Nachhinein muss ich sagen: es war genau richtig so!

Und daher meine Bitte an die DHS: fordert die Leute, auch wenn sie keine Lust haben, treibt sie nach vorne, dass sich was bewegen muss ... Es war gut, diesen „Druck" zu spüren, – und das ist gar nicht negativ.

Die beiden Referenten könnten mit stolzgeschwellter Brust nach Hause gehen... – passt aber nicht zu ihnen.

Schön war, dass Du, Peter, Dich hier auch menschlich eingebracht hast... Ich hatte den Eindruck, es war nicht nur ein Job, den Du hier gemacht hast.

Inghard, was mich immer gefreut hat: wenn ich dich anschaute, habe ich ein Kind gesehen, das strahlt und neugierig ist, das sich freut über alles, was es sieht und das das Strahlen auch aus den Augen lässt.

Dafür danke ich Euch

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Ich kann mir ein 'neues' Gesicht formen

Klaus-Dieter Stapel, Jahnsdorf

 Ich hatte ein beklemmendes Gefühl, extra über 600 km zu diesem Seminar von Chemnitz nach Königswinter zu fahren. Die Vorstellungen zum Thema „Meine vielen Gesichter" waren vage.

Ich fuhr zum ersten Mal zu einer Veranstaltung der DHS. Wie werde ich aufgenommen, noch dazu als einziger aus Ostdeutschland? Warum eigentlich? Wo blieben die anderen Mitglieder?

Aber – die Schranken wurden schon am ersten Tag abgebaut. Ich fühlte mich immer besser.

Mein Problem hatte ich schon mit dem Seminarthema. Die Betonung auf dem „ich", so wurden wir in der DDR nicht erzogen. Als ich zum Schluss meinen Mut zusammennahm, um noch einige Worte zu verlieren, hatte ich gesagt, mit dem Satz „So bin ich, und wie ich bin, bin ich ganz in Ordnung" von Virginia Satir könne ich mich nicht identifizieren. Die, die dabei waren, wissen, warum ich es in diesem Moment so meinte.

Wenn ich abergläubisch wäre, würde ich sagen, ich hatte einen Draht zum Himmel. Er wollte mich noch nicht haben. Mindestens drei Schutzengel hatten auf der Heimfahrt die schützende Hand über mich gehalten. Ich hatte mit dem Auto einen Verkehrsunfall – und bin dem Tod von der Schippe gesprungen. Somit bin ich in der Lage, das Seminarthema neu zu durchdenken.

Ich lebe und ich kann mir jetzt ein „neues Gesicht" formen. Damit hatten meine Worte am Seminarschluss auch ein Kern Wahrheitsgehalt.

 

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