Ich höre was, was ich nicht sehe - ein CI-Bericht

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Endlich Sprache verstehen

Als ich beim Hörtraining mit meiner Mutter zum ersten Mal Sätze verstand, die sie hinter meinem Rücken sprach, war das schon große Klasse! In bekannter Umgebung, bei der Familie z. B., kam ich mit den Stimmenmelodien schon ziemlich gut zurecht. Beim Eislaufen habe ich die Schlittschuhe auf dem Eis gehört und Stimmenmelodien von Leuten, die weiter weg waren. Aus der Gegensprechanlage erkannte ich schon Stimmenmelodien.

Es wurden immer mehr Geräusche, die ich erkannte, deren Melodie ich auch hörte, wenn ich weiter weg oder sogar in einem anderen Zimmer. Das CI-Hören wurde immer differenzierter. Das, was ich hörte, bekam immer mehr Volumen, nur war es immer noch sehr ungewöhnlich: Zähneputzen klang wie ein Gegenkonzert, Wasser laufen lassen und Obst schälen auch, was inzwischen auch schon ganz normal klingt. Dass Zähneputzen Geräusche macht, merke ich schon gar nicht mehr. Eines Tages hörte ich das Wasser kochen. Ich wusste schon, das Wasser wird bald kochen und als ich glaubte, einen Traktor zu hören, war mir dann schon klar, dass es wohl das Wasser ist. Ob ich natürlich immer diesen 'Wassertraktor' erkenne....?

Lärm war schon nicht mehr so unerträglich wie mit dem Hörgerät! Zum Beispiel konnte ich das Geräusch der Tastatur früher nie ertragen. Ich habe immer das Hörgerät abgeschaltet, wenn ich tippen musst, was ich in der Arbeit den ganzen Tag mache! Mit dem CI stört mich das nicht so sehr. Das schöne ist, selbst wenn mich ein Geräusch am Anfang stört, dann lohnt es sich, das CI trotzdem angeschaltet zu lassen, weil das Geräusch mit der Zeit angenehmer wird. Das war mit dem Hörgerät undenkbar. Ich schätze, das liegt daran, weil ich mit dem HG eben nur dieses Tippgeräusch gehört habe und das, was mehr als einen Meter von mir weg war, habe ich nicht gehört. Das ist jetzt anders, ich höre mehr, so dass ein Geräusch nicht mehr so penetrant sein kann.

Beim Einkaufen z. B., wenn ich die Verkäuferin nicht verstand, fragte ich nach und fingerte an meinem Kabel herum. Da sprach die Verkäuferin plötzlich sehr deutlich. Das Kabel macht es eben sichtbar.

Ich fing schon an, mich auf das CI zu verlassen. Wenn ich z. B. die Spülmaschine anschaltete und hörte nichts, dann drückte ich sie noch einmal fester zu, damit sie starten kann. Zwei Wochen vorher habe ich noch die Hände gebraucht, um festzustellen, ob die Maschine an ist!

Nach jeder Anpassung war wieder alles lauter. Ich hörte meine Stimme mit mehr Volumen. Nach einer Anpassung waren meine Stimmenmelodien verschwunden! An die hatte ich mich schon so gewöhnt. Sie fehlten mir richtig. Ich werde jetzt also lernen müssen, richtige Stimmen zu hören.

Nach jeder neuen Anpassung sind die hohen Töne immer sehr anstrengend und erzeugen viele Geigentöne. Aber, die Geigen kenn ich inzwischen schon und weiß, das wird mit der Zeit besser.

Im Park haben wir immer wieder nach Geräuschen gesucht und fanden Kirchenglocken und auch Baulärm. Dann waren da Möwen und Enten, dich ich mit der Zeit unterscheiden lernte. Auch konnte ich das Wasser plätschern hören, wenn eine Ente duschte. Auch hörte ich Vögel zwitschern und konnte sogar erkennen, dass es zwei verschiedene Vögel waren. Immer wieder habe ich das Wasserplätschern aber mit einem Kinderwagen verwechselt. Die Räder machen so ein Geräusch. Erstmals einen Hund bellen gehört - komisch klang das.

Inzwischen hatte ich auch das Hörgerät auf der linken Seite an. Das klappte gut und bekannte Personen verstand ich in der vierten Woche auch schon recht gut. Inzwischen übte ich auch schon mit Hörbüchern.

Mein CI und ich hatten uns inzwischen angefreundet und waren auf dem selben Planeten.

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