Millenniumsreha in Rendsburg

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Ursprünglich war ich mit den Gedanken nach Rendsburg gefahren, mich einfach in alles was da kommen sollte, hineinfallen zu lassen. Unvoreingenommen wollte ich die Sache angehen. Was mir letztlich wohl auch gelungen sein mag. Beeindruckt haben mich all die vielen Diskussionen bei Paul Heeg, Lorenz Lange und Uli Hase. Die sich daraus ergebenden unterschiedlichen Meinungen der einzelnen Teilnehmer waren immer wieder erstaunlich und sehr lehrreich für mich. Nie zuvor habe ich meine eigene Hörschädigung aus solchen Blickwinkeln betrachtet - betrachten müssen! Oft habe ich dennoch festgestellt, dass so wie ich in der Vergangenheit mit meiner Hörschädigung allgemein umgegangen bin, dies nicht ganz so falsch war. Trotzdem gibt es das eine oder andere, was ich hätte anders, intensiver, machen können. Ein bisschen mehr Aufklärungsarbeit, so mein Fazit dazu, wäre sicher nicht schlecht gewesen.

Lehrreich und intensiv waren auch wieder für mich das Absehen vom Mund und das Erlernen des Fingeralphabets, trotz meiner "Vorbildung". Leider habe ich zur Zeit in meinem näheren Umfeld so gut wie keine Gelegenheit, dies zu intensivieren und auszubauen. Das Erlernen von Gebärden stand nicht auf dem Lernplan, so dass wir Olaf Biemann gefragt haben, ob man dies nicht abändern könnte. Man konnte. Sozialrecht bei Eckert Pries stand auf dem Lernplan. Auch hier habe ich verschiedene Dinge erfahren, die ich so nicht kannte. Nicht zu vergessen, die "Überstunden" bei Gernot Kurzhals. Er informierte uns ausführlich über Hilfsmittel, Gerichtsurteile und vieles mehr und hat uns viel Mut zugesprochen, nicht müde zu werden, beim Beantragen von Hilfsmitteln und dergleichen.

Wir hatten auch Gelegenheit, mit Umschülern der Hörgeräteakkustikerschule aus Lübbeck zu diskutieren und sie unter anderem nach dem Grund der Umschulung zu befragen. Die Meinungen, so betrachte ich es heute im Nachhinein, reichten vom "Helfen wollen" bis "Geld verdienen". Es stellte sich heraus, dass das Erlernen der Gebärdensprache kein Pflichtfach an der Schule ist, was wir ausdrücklich bedauert haben. Lediglich auf freiwilliger Basis wird etwas angeboten, aber nicht von jedem Schüler angenommen. Eine weitere Abwechslung war der Aufenthalt von zwei Mitarbeitern der Uni Duisburg, die ein Computerunterstütztes Hör- und Sprechtrainingsprogramm vorgestellt und mit uns ausprobiert haben. Dieses Programm ist noch in der Entwicklung und wir hatten die Ehre, unsere Meinung und Verbesserungsvorschläge kund zu tun, wovon wir ausgiebig Gebrauch gemacht haben.

Weniger schön, dafür aber umso aufregender, war ein Wohnhausbrand gleich neben dem Reha-Zentrum. Einige von uns hielten Nickerchen, einer stand unter der Dusche, andere waren in der Stadt. Die Alarmanlage im Reha-Zentrum hat Gott sei Dank zwar funktioniert, aber mich hat sie nicht wach bekommen und in den Duschräumen befindet sich keine. Das Reha-Team hat uns aber dennoch vorbildlich gewarnt, damit wir schnell das Haus verlassen konnten. Passiert ist dem Reha-Zentrum nichts, auch Dank des schnellen Einsatzes der Rendsburger Feuerwehren. Der Paradeplatz glich zeitweilig einem einzigen blauen Lichtermeer. Etwas unruhiger haben wir in den nächsten Nächten aber schon geschlafen.

Einen Abschluss-Abend gab es auch. Ganz "Millennium"! Das Essen, dass Monika und Eric gezaubert hatten, war absolute Spitze. Ein Essen im First Class Restaurant ist echt nichts dagegen.

Mein Fazit:
Wenn Rendsburg nicht so weit im hohen Norden läge, dann würde ich versuchen, dort öfters eine Reha zu machen. Ich habe sehr viel mehr Mut und Tipps bekommen, mit meiner Hörschädigung zu leben und umzugehen. Die Reha hat lange nachgewirkt und es hat mehrere Tage gedauert, bis ich wieder "wirklich zu hause" war. Das Reha-Zentrum ist einfach ein Ort zum Wohlfühlen und das ganze Team einfach toll! Die müssen alle eine Engelsgeduld haben und Nerven ohne Ende. Anders kann ich mir das nicht erklären. Ich kann nur jedem sehr empfehlen, sich nach Rendsburg zu begeben.

 Die Zeit dort ist Balsam für unsere hörgeschädigte Seele.

Dies ist zumindest mein Fazit. Ein ganz dickes Lob und Dankeschön an dieser Stelle dem ganzen Reha-Team!!

Inzwischen hat aber auch mich das "richtige Leben" wieder eingeholt.

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