Millenniumsreha in Rendsburg

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Kurz vor 13 Uhr schellte ich an der Türe des Reha-Zentrums. Olaf Biemann öffnete mir die Tür, begrüßte mich herzlich und zeigte mir mein Zimmer. Vier Wochen - am Anfang eine schier unendlich lange Zeit - sollte dieses Zimmer nun meine Bleibe sein.

So nach und nach trafen auch die anderen Teilnehmer ein. Der Kontakt war erst noch eher zaghaft. Kam aber doch dann langsam in Schwung. Schließlich waren wir eine Gruppe von 11 Personen, worunter sich drei NF-Betroffene befanden.

Samstag Abend war Kennenlernen. Von Olaf bekamen wir eine Menge Infos und laut Olaf zum ersten Mal überhaupt wurde bei der Begrüßung mit einem Glas Sekt angestoßen. Die Flaschen hatten doch tatsächlich den Jahrtausendwechsel überlebt und das kam uns natürlich gerade recht. Schließlich sind die meisten von uns dann totmüde ins Bett gefallen. Der Sonntag war eher geprägt vom eigenen Tun der einzelnen Teilnehmer. Manche hatten auch ihre Partner mit. Andere haben Rendsburg auf eigene Faust erobert. Gespannt waren wir aber alle auf das, was da noch vor uns lag.

Montags ging es dann endlich los. Einführung in die kommenden vier Wochen. Paul Heeg fragte nach unseren Erwartungen. Je zwei Personen sollten sich gegenseitig interviewen und später den jeweils anderen der Gruppe vorstellen. Nachmittags ging es weiter mit der Organisation (Orga-Stunde) und mit Absehen bei Kerstin Zobel. Der Montag war schließlich um und wir alle geschafft.

Nur gut, dass da auch noch Monika Vorburg und Eric Zölk in der Küche waren, die uns vier Wochen mit allerlei leckeren Gerichten verwöhnt und so wieder aufgebaut haben.

Am nächsten Tag folgten die Einzelgespräche. Ich hatte vormittags einen Termin bei Lorenz Lange. Er war echt "neugierig", wollte viel von mir wissen und so haben wir uns nett und lange unterhalten. Nachmittags folgen Verhaltenstraining bei ihm und Gleichgewichtstraining bei Bernd Nissen. So zog sich das hin. Vier Wochen lang. Absehen und Fingeralphabet bei Kerstin und Ute. Selbsterfahrung bei Paul, Entspannungstraining bei Ute, Infos zum Hören und Technik bei Maren, Körpersprache bei Lorenz, Sozialrecht bei Eckert, Artikulation bei Angela und so weiter und so weiter...

Auch die Wochenenden wurden voll ausgenutzt...

An den Wochenenden waren wir entweder mit Pastorin Katharina Beste unterwegs oder mit ZDL Sebastian Kurzhals, der auch unsere Kegelabende organisierte. Katharina zeigte uns Rendsburg und Schleswig. Mit Sebastian waren wir auf Sylt. Unabhängig davon machten wir uns aber auch selbst auf Entdeckungsreise. Denn Rendsburg ist eine nette Stadt. Nicht zuletzt die gewaltige Eisenbahnbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal mit ihrer Schwebefähre und die riesen "Pötte" auf dem Kanal sind das Anschauen wert. Auch abends lässt sich einiges anstellen. Nette Lokale gibt es genug. Das Kino hat sich speziell auf Hörgeschädigte eingestellt. An der Kasse kann man einen Infrarot-Empfänger ausleihen und damit den Filmton empfangen. Eine Voranmeldung ist aber ratsam, da dies dem Kinopersonal unnötige Hektik erspart. Es gibt auch ein Theater. Aber die Chance, dort eine Karte zu bekommen, ist wie sechs Richtige im Lotto zu tippen. Letztlich verging die Zeit wie im Fluge. Die Reha war zu Ende und ich persönlich tief berührt und ungemein beeindruckt.

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