Jubiläums-HERBSTSEMINAR der DHS 2012

Gruppe mit vielen DHS-Mitgliedern, winkende Hände

Im Rahmen des HERBSTSEMINARS trafen sich vom 20. - 23. September 2012 rund 130 Mitglieder der Deutschen Hörbehinderten Selbsthilfe und ihre Gäste im Nordkolleg in Rendsburg und feierten ihr Jubläum:

25 JAHRE ArGe - BFRH - DHS 

Hauptreferent Dr. Ulrich Hase führte die Teilnehmer/innen des HERBSTSEMINARS in seiner Eröffnungsrede wieder an die Wurzeln der organisierten Hörbehindertenselbsthilfe zurück.

Aus Anlass des Jubiläums wurde eine Festschrift und Vereinschronik (PDF, 640 KB) veröffentlicht, im Nordkolleg Rendsburg ein Bäumchen gepflanzt und über 100 Luftballons mit vielen guten Wünschen in die Lüfte gelassen. Wir danken der DAK für die finanzielle Unterstützung dieser Großveranstaltung, dem Reha-Zentrum Rendsburg sowie den vielen ehrenamtlichen, freiwilligen Helfern, die uns bei der Organisation geholfen haben.

Im nachfolgenden Grußwort aus der Festschrift wirft Dr. Hase einen Blick auf die Ursprünge der DHS, dazu gibt es weitere Bilder aus dem Jubiläumstreffen.


Liebe Damen und Herren,

im Jahre 1983 – vor fast 30 Jahren - wurden die Rendsburger Seminare für Schwerhörige und Ertaubte durch das Institut für berufsbegleitende Aus- und Fortbildung des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schwerhörigenbund auf den Weg gebracht.

Nur einige Jahre später, 1988, bezogen diese Seminare ein stattliches historisches Gebäude am Paradeplatz in Rendsburg, das Rehabilitationszentrum für Hörgeschädigte. Dieser Umzug bot den Rahmen, über die bisherigen vierwöchigen Seminare hinaus vielfältige neue Rehabilitationskonzepte und Angebote für Menschen mit Hörbehinderung zu entwickeln. Hingewiesen sei hier auf Arbeitskollegenseminare und Gebärdensprachkurse.Redner Dr. Hase am Rednerpult mit Gebärdendolmetscherin

Heute finden diese Maßnahmen nicht mehr im Haus am Paradeplatz statt, sie werden im Nordkolleg Rendsburg fortgeführt.

Die Rendsburger Institution ist im europäischen Raum einzigartig. Denn deren übergreifendes Ziel ist es, sich auf eine Verbesserung der kommunikativen Bedürfnisse hörbehinderter Menschen zu zentrieren. Hierzu wurde ein breites Spektrum von Förderschwerpunkten geschaffen und weiter entwickelt. Genannt seien Absehen, Hörtraining, Kommunikationstechnik, Körpersprache, lautsprachbegleitende Gebärden, Hörtaktik bzw. Kommunikationstraining und Selbsterfahrungsgruppe. Arbeit in Gruppen sowie Einzelgespräche, aber auch viele gemeinsame Veranstaltungen an Abenden und Wochenenden – das sind die Grundpfeiler der Rendsburger Rehabilitationen.

Viele hörbehinderte Menschen lernen zum ersten Mal in Rendsburg andere hörbehinderte Menschen kennen. Anfängliche Scheu, Ängste und mitunter auch Ablehnung kennzeichnen häufig diese für viele so ungewöhnlichen Zusammentreffen. Hinzu kommen auch Verständigungsschwierigkeiten. Sich auf die Kommunikationsbedürfnisse anderer einzustellen fällt vielen schwer, war man es doch zuvor gewohnt, ausschließlich von anderen nicht hörbehinderten Menschen Unterstützung zu erwarten und selbst nicht anderen zur Verständigung beistehen zu müssen. Solche immer wiederkehrenden Schwierigkeiten lösen sich rasch auf.

Mann setzt einen Baum in die Erde
Es entstehen Verständnis füreinander, Sympathie und ein tief greifendes Zusammengehörigkeitsgefühl, das vor allem einen neuen positiven Zugang zur eigenen Hörbehinderung eröffnet. Daraus entstehen Kraft, Zuversicht, die Bereitschaft, die eigene Behinderung zu akzeptieren und auf der Basis gemeinsam gewonnener Erfahrungen neu Gelerntes im späteren Kontakt zu gut hörenden Menschen umzusetzen.

In Rendsburg wurde sehr schnell erkannt, dass Erfahrungsaustausch und Zusammenhalt hörbehinderter Menschen im gemeinsamen Lernprozess für den Kommunikationserfolg unverzichtbar und daher das Herzstück der Rehabilitationen sind. Deshalb wird bis heute daran festgehalten, dass Gruppen gemeinsam an- und abreisen. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu allen anderen medizinischen Maßnahmen, die mit dem Rendsburger Angebot vergleichbare Inhalte einbeziehen.

Das neu entstandene Zusammengehörigkeitsgefühl zu pflegen, Kommunikation zu trainieren sowie sich weitere wichtige Inhalte zu erschließen, sind Gründe dafür, dass sich schon nach den ersten Rehabilitationsseminaren Gruppen regelmäßig trafen. Bis 1986 waren bundesweit 13 Selbsthilfegruppen entstanden, die im Januar 1987 in Berlin die Arbeitsgemeinschaft der Hörgeschädigten-Selbsthilfegruppen (ArGe) gründeten. Im August des Folgejahres war die Arbeitsgemeinschaft bereits auf stolze 21 Gruppen angewachsen.

Aus dieser Arbeitsgemeinschaft und dem später mit dem Ziel der Förderung von Selbsthilfegruppen gegründeten Bundesverband zur Förderung der Rehabilitation hörbehinderter Menschen e.V. (BFRH) ging im Oktober 1999 die Deutsche Hörbehinderten Selbsthilfe e.V. (DHS) hervor, die Mitglied in der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Hörbehinderten-Selbsthilfe und Fachverbände e.V. ist.

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Die Deutsche Hörbehinderten Selbsthilfe e.V. steht für zahlreiche innovative Maßnahmen sowie Veröffentlichungen. Sie ist vor allem geprägt durch viele Menschen, die sich tatkräftig für andere hörbehinderte Menschen engagieren und engagiert haben. Ihnen gilt an dieser Stelle mein ganz besonderer Dank.

Ich bin froh und auch stolz, dass sich der „Geist der Rendsburger Rehabilitationen“ über die vielen Gruppen in Deutschland weiter entwickelt und nachhaltige Wirkung erzeugt hat. Und ich freue mich darüber, die DHS als engagiertes Mitglied in unserem gemeinsamen Dachverband, der Deutschen Gesellschaft, zu wissen.

Ganz herzlichen Glückwunsch an die DHS zum 25-jährigen Jubiläum und hoffentlich ein Wiedersehen mit vielen von Ihnen zum Jahrestreffen in Rendsburg, zu dem ich Sie herzlich willkommen heißen möchte.

Herzliche Grüße,

Ihr Dr. Ulrich Hase

Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft der Hörgeschädigten – Selbsthilfe und Fachverbände e.V. und Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung des Landes Schleswig-Holstein

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