Sprecherseminar 2014: Meine Rolle als Gruppensprecher

SPRECHERSEMINAR der DHS in Gelsenkirchen - interessant und informativ

S.W.

"Wohin die Reise auch geht, hängt nicht davon ab, woher der Wind weht, sondern wohin du deine Ziele setzt" mit diesem alles umschreibenden Spruch beendete unser Referent Peter Dieler aus Hamm das diesjährige SPRECHERSEMINAR der DHS.

Gelsenkirchen Donnerstagnachmittags - Himmelfahrt:

Himmelfahrt war angesagt, wie wohl bereits die vergangenen Jahre zu Beginn des SPRECHERSEMINARs. Mit mir reisten an diesem Tag die Teilnehmer aus allen Himmelsrichtungen Deutschlands teils mit dem Auto und teils mit dem Zug im Tagungshotel „Lichthof" an. Das Wetter ließ zu wünschen übrig, doch im Laufe der nächsten Tage sollte auch dieses sich für uns freundlich entwickeln. Mit insgesamt 13 Teilnehmern und drei Referenten waren in diesem Jahr sieben Bundesländer vertreten. Eine gute Mischung, wie sich in den drauf folgenden Tagen zeigen sollte.

Bereits das Hotel sollte sich als gute Auswahl herausstellen. Barrierefreiheit im vielen, und was uns besonders beeindruckte: auch für hörbehinderte Menschen. Das erste seiner Art in Deutschland. Im Fahrstuhl des Hotels wurde ein Notrufsystem installiert, welches Schwerhörigen und gehörlosen Menschen ermöglicht im Notfall über einen Bildschirm den Notruf auszulösen. Eine zusätzliche Kamera im Fahrstuhl gewährleistet, dass auch bei Nichtreaktion das Notrufsystem in Aktion tritt. An der Rezeption können außerdem FM-Anlagen und Rauchmelder für Hörgeschädigte ausgeliehen werden. Eine tolle Sache. Das Hotel selbst punktet mit geräumigen Zimmern und einer sehr gepflegten großen Außenanlage. Der Tagungsraum: Lichtdurchflutet. Alles im Allem: das Seminar konnte beginnen und wir uns vor und nach dem Referaten gut erholen.

Der Donnerstagabend gehörte der allgemeinen Vorstellung der Teilnehmer untereinander. Viele waren bereits zum wiederholten Mal bereits dabei. Aber wir hatten auch zwei Neuzugänge, welche zum ersten Mal an so einem Seminar teilnahmen. Alle waren sehr gespannt darauf, was uns bei diesem Seminar mit dem interessanten Thema "Eigenwert und Selbstliebe", Der Gruppensprecher "Leiter der Selbsthilfegruppe" oder "Leittragender der Selbsthilfegruppe" erwarten möge. In der Vorstellungsrunde erzählte jeder der Teilnehmer kurz über seine Vita und auch darüber, was er für Erwartungen an diese Tage mitgebracht hatte. Gleichzeitig wurden aber auch bereits an diesem Tag Vorschläge gemacht, über was am RUNDEN TISCH SHG gesprochen und diskutiert werden sollte.

Zweiter Tag - Telefonieren für Hörgeschädigte:

Wir begannen den Tag mit einen zünftigen Frühstück und einer Tasse Kaffee. Wichtig für uns. Denn für uns ist das Zuhören und Verstehen immer wieder mit einer hohen Konzentration verbunden. Deswegen: Gut gestärkt hört und versteht man einfach besser.

Um 9 Uhr dann das erste Referat dieses Seminars. Thema: Telefonieren für Hörgeschädigte. Referentin war Brigitte Fiedler aus Bayern, die selbst eine Betroffene ist. Telefonieren ist für viele Hörgeschädigte "die" Herausforderung schlechthin. Als hörgeschädigter Mensch ist man sehr oft auf das Mundbild des Gesprächspartners angewiesen. Dieses fehlt in diesem Bereich vollständig.
Brigitte erklärte uns allen wunderbar, auf was es bei Telefonen und Hilfsmitteln ankommt, um für jeden ein optimales Ergebnis beim Telefonieren zu erreichen.

Ganz am Anfang zeigte sie uns auf, zu welchen Problemen es beim Telefonieren kommen kann. Es kann hierbei nur ein Frequenzbereich von 500 bis 3500 Hertz übertragen werden. Für den Hörgeschädigten selbst ist die Stimmfärbung und Modulation des Telefonpartners schwer zu erfassen und auch eventuelle Störgeräusche können das Verstehen am Telefon negativ beeinflussen. Vielfach hört man beim Telefonieren immer wieder ein Rauschen, Knacken oder auch Pfeifen, was den Betroffenen das Telefonieren zusätzlich erschwert. Ein Teufelskreis ...

Brigitte machte uns darauf aufmerksam, dass wir selbst bereits im Vorfeld etwas für ein bessres Verstehen am Telefon tun können. Dazu zählt unter anderem den Gesprächspartner auf sein Problem beim Telefonieren hinzuweisen. Denn nur dann ist es diesem möglich auch darauf zu reagieren. Wir sollten ihn darum bitten, langsam und deutlich zu sprechen. bei Nichtverstehen ist eine Wiederholung des Gesagten angebracht.

Ganz wichtig ist auch, dieses Gespräch in einer ruhigen Umgebung zu führen. So ist man in Lage, sich voll auf den Gesprächspartner zu konzentrieren. Viele Hörgeräte und alle Cochlea Implantate sind heute mit einer sogenannten T-Spule ausgestattet. Um dieseT-Spule aber nutzen zu können, muss sie in den Hörgeräten aktiviert sein. Auch müssen die Betroffenen selbst darüber Bescheid wissen, was und wie können sie mit einer T-Spule hören. Auch die Akustiker sind hier gefragt, ihre Kunden über die Vorzüge des induktiven Hörens aufzuklären. Denn diese können nicht nur beim Telefonieren benutzt werden, sondern auch in Gebäuden und Räumen mit verlegten Ringschleifen. Das ist in vielen Städten bereits in öffentlichen Gebäuden wie z. B. Theater und in Kirchen der Fall.
Ein ganz besonderer Punkt jedoch war die Vorstellung vieler neuer Telefone durch Brigitte. Sie machte uns darauf aufmerksam, dass es mittlerweile Telefone mit Anrufbeantworter gibt, welche bei Abhören der Nachrichten eine verlangsamte Sprachwiedergabe haben. Manche Telefone besitzen auch einen integrierten Lichtblitz. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Telefon mit Vibrationsalarm bei den mobilen Telefonen. Auch eine Anmeldung des Handy an der Basisstation ist dann möglich. Als Zubehör kann man ein induktives Headset benutzen oder auch bereits Headsets auf der Basis von Bluetooth. Es gib heute so viele Möglichkeiten für Hörgeschädigte für besseres Telefonieren, dass es den Platz hier übersteigen würde um auf alle speziell einzugehen. Wichtig für uns Betroffene ist zusätzlich zu den bereits oben genannten:

  • wiederholen, was man selbst verstanden hat
  • nicht gleich aufgeben und das Gespräch ev. zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen
  • Telefondienst Tess benutzen

Bei diesem Telefondienst TESS handelt es sich um eine Firma, welche Schriftdolmetschen am Telefon anbietet. Gegen eine geringe Grundgebühr und das kostenfreie herunterladen einer Software am PC kann dieser Schriftdolmetscherdienst von jedem bei offiziellen Telefonaten benutzt werden. Jedoch sollte dann, wie Brigitte Fiedler hinwies, der Gesprächspartner informiert werden, dass es zeitlich zu einer verzögerten Beantwortung kommen kann, da der Schriftdolmetscher das Gesagte in das Programm einspeisen muss.

Alles im allen jedoch gibt es vielfältige Möglichkeiten, um auch mit unseren Handycap wieder selbstbestimmt über Telefon mit anderen in Kontakt zu treten. Ausprobieren ist auch hier ganz wichtig, egal ob es sich dabei um ein Festnetztelefon oder ein Handy bzw. Smartphone handelt. Das, was für einen richtig ist, muss nicht für den anderen genauso im Klang sein. Es gibt die Möglichkeit, die Telefone zu Hause in der gewohnten Umgebung auszuprobieren und erst dann sollte man sich für einen Kauf entscheiden.

Mitgliederzahlen - das nächste Thema zu unserem Rundtischgespräch: Wie kann ich die Mitgliederzahlen in meiner SHG konstant halten und wie kann ich neue Mitglieder gewinnen? Fast alle SHG-Leiter berichten, dass sich ihre Mitgliederzahlen in den letzten Monaten ziemlich konstant gehalten haben. Es ist sehr schwierig, neue Mitglieder besonders jüngere zur Mitarbeit in einer SHG zu gewinnen.

Wichtig hierbei scheint uns, dass alle SHG-Mitglieder sich zu bestimmten Themen einbringen sollten. Selbsthilfe heißt immer wieder Hilfe zur Selbsthilfe wobei ein Wohlfühlen der einzelnen Mitglieder in der SHG unabdingbar ist. Beachtung muss finden, dass die Mentalität der einzelnen doch sehr unterschiedlich ist. Wir haben auf der einen Seite Mitglieder, welche die Gespräche und Unternehmungen in ruhiger Umgebung wünschen. Auf der anderen Seite stehen besonders jüngere Menschen, welche auch gerne gemeinsam etwas Ausgefallenes unternehmen möchten. Allen muss Rechnung getragen werden. Das erfordert von dem SHG-Leiter und nicht nur von diesem ein gut durchdachtes Konzept, um auch jeden gerecht zu werden. Wobei das natürlich eine besondere Kunst und wohl fast unmöglich ist. Auch der SHG-Leiter selbst muss sich in seiner Funktion dabei wohl fühlen, denn auch nur dann kann er diese mit Freude und Verantwortung ausfüllen.
Als günstig sehen wir es an, wenn in einer SHG sowohl Hörgeräteträger als auch CI-Träger vertreten sind. Es kann dann auf dieser Basis ein reger Erfahrungsaustausch erfolgen. Wichtig erscheint allen Teilnehmern, dass Aufgaben an andere SHG-Mitglieder übertragen werden. Denn allein ist das nicht machbar. Die SHG-Tage in den einzelnen Städten stoßen auf unterschiedliche Resonanz. Hier sollten wir unsere Erfahrungen verstärkt austauschen damit jeder einzelne von den Erfahrungen der anderen profitieren kann.
Werbung als Thema Nummer zwei am RUNDEN TISCH SHG war die Frage nach Werbung für die einzelnen Hersteller von Hörgeräten genauso wie von Cochlear implantaten. Dabei sollte es von unserer Seite aus dabei bleiben: wir beraten über möglichst alle auf dem Markt ansässigen Firmen. Wobei die Fachkompetenz immer bei den HNO-Ärzten und CI-Kliniken liegen wird. Entscheiden tut der Betroffene selbst, wobei wir jedem mit guten Ratschlägen zur Seite stehen können.
Als drittes Thema wurde vorgeschlagen, ab kommenden Jahr ev. einen Musikworkshop innerhalb eines Seminars anzubieten. Möglichkeiten dazu gäbe es viele. Auch wurden bereits sehr gute Erfahrungen damit gesammelt. Gute Beispiele gibt es hier in den CI-Zentren wie Freiburg, Heidelberg und Dresden. Das Interesse dazu ist bei vielen vorhanden, so dass mit einer guten Resonanz gerechnet werden kann.

Zum Schluss diskutierten alle anwesenden SHG-Sprecher noch über ihre eigenen Erfahrungen in ihren Gruppen. Schon bei den zeitlichen Abständen finden sich hier große Unterschiede. Einige führen ihre SHG im 4-wöchigen Rhythmus durch, andere bevorzugen es ihre SHG nur einmal im Quartal zusammenkommen zu lassen. Aber allen ist eines gemeinsam: sie wollen sich in geselliger Runde über schöne und auch weniger schöne Seiten ihrer Hörbehinderung austauschen. In vielen SHGn werden sehr gern gemeinsame Wanderungen und Ausflüge durchgeführt, auch gemeinsames Kaffeetrinken steht auf dem Plan, teilweise auch außerhalb der Gruppe. In allen Gruppen wurde über neue Freundschaften berichtet. Es werden Beratungen zu den einzelnen Möglichkeiten der HG- und CI-Versorgung angeboten. Das alles bringt viele gemeinsame Erlebnisse, so dass die meisten immer wieder gern zu den SHG-Treffen kommen. Auf was ich hier noch besonders aufmerksam möchte: in der SHG Niesky werden jährlich Wochenendseminare zu verschiedenen Themen angeboten. Diese werden von allen dazugehörigen Mitgliedern sehr gut angenommen. Die Organisation wird nicht von der Leiterin selbst durchgeführt, sondern es sind andere Gruppenmitglieder dafür verantwortlich. Eine tolle Sache finde ich - welche durchaus nachahmenswert sein sollte.

Sprecherseminar:

Der Samstag und Sonntag war dann vollständig unseren Referenten vorbehalten für das Thema des SPRECHERSEMINARs, welches ich bereits weiter oben benannte. Peter Dieler als Audiotherapeut, Dr. Karen Jahn als Dipl.-Psychologin und Regina Klein-Hitpaß als Atemtherapeutin konnten uns in diesen wenigen Stunden geballtes Wissen vermitteln.

Bereits die Vorstellungsrunde mit Peter sollte sich für uns als sehr interessant erweisen. Statt wie üblich sich selbst vorstellen (was nach seinen Worten die übliche Leidensrunde geworden wäre), sollte jeder von uns seinen Vornamen vorstellen und wie er seiner Meinung nach dazu kam. Interessant, was da so an Geschichten erzählt wurde. Aber was es auf keinen Fall wurde: eine Leidensrunde. Für jeden verband sich mit seinem Namen durchweg positives. Dieses gute Gefühl, was dabei aufgebaut wurde, setzte sich durch die folgenden Stunden fort.
Die anschließende Mediation mit Regina inklusive Atemtherapie tat ihr übriges. Wir fühlten uns danach locker und entspannt. Und für die anschließenden Seminarthemen gewappnet. Denn es wurde anstrengend - ohne Frage. Volle Konzentration den ganzen Tag ist für Menschen mit Hörbehinderung doppelt anstrengend als wie für normalhörende Menschen. Immer zuzuhören kostet Kraft. Und macht aber auch Spaß. Denn unsere drei Therapeuten forderten uns voll.

Peter meinte selbst: gemeiner geht es nicht mehr. Er meinte damit eine Aufgabe, welches sich Hemisphären-Alphabet nennt. Dabei handelt es sich um unser ganz normales Alphabet. Darunter stehen die Buchstaben l für links, r für rechts und b für beides. Nach der Ansage durch Peter von A, B, C ... mussten jeweils auf den betreffenden darunter stehenden Buchstaben der entsprechende Arm hoch gehoben werden. Chaos war vorprogrammiert. Das ganze anschließend rückwärts - nichts ging mehr. Beim zweiten Mal zeigte sich dann bereits: Übung macht den Meister. Und so ging das den ganzen Tag. Das alles war als Vorschläge für unsere Gruppenarbeit in unserer SHG gedacht. Denn bereits zu Beginn hatten wir festgelegt: wenn ich Sonntag nach Hause fahre, dann.... (also z. B. dieses Spiel mit im Gepäck). Tolle Sache und werde ich bei meiner nächsten SHG unbedingt mal ausprobieren.
Ein weiteres Spiel machten wir am Nachmittag auf dem Rasen vor dem Hotel. Jeder sollte ein Dreieck bilden, mit 2 gleichen Seitenlängen, heißt gleichseitiges Dreieck. Und dieses gleichschenklige Dreieck sollte erhalten bleiben. Auch wenn einzelne Personen sich bewegten. Ein schier unmögliches Unterfangen. Nichts ging zum Schluss mehr. Nur 2 Teilnehmer lösten die Aufgabe richtig. Alle anderen - nun ja... Aber nachdem Karen es uns noch einmal erläuterte, klappte es dann auch besser. Wieder etwas gelernt. Und umgesetzt. Das war schließlich die Aufgabe: verstehen, um was es geht.
In kurzen Kaffeepausen konnten wir unsere Konzentration wieder aufbauen, und uns auch sehr rege miteinander austauschen.
Weiter ging es - nächste Aufgabe. Jeder sollte sagen, welches Tier er gerne wäre und welche Eigenschaften dieses Tieres am meisten positiv hinterlegt waren im Gedächtnis der anderen. Als Tiere wurden von uns genannt: Adler (gleich 4 mal) Hund, Katze oder Kater, Schmetterling, Libelle, Vogel, Hase und auch ein Wildpferd hatten wir dabei. Würde ich jetzt von jedem Tier die positiven Eigenschaften aufführen fände ich kein Ende. Deswegen möchte ich dazu nur sagen, es war sehr interessant zu erfahren, als was sich jeder einzelne sah, und mit welchen der positiven Eigenschaften dieses Tieres er sich identifizierte.
Die abschließende Meditation mit Regina vermittelte uns dazu: Vertrauen, Geborgenheit, Kraft, Unabhängigkeit, Gelassenheit, Überblick und Freiheit. Ein positives Empfinden, welches wir gerne mit nach Hause nahmen.
Aber noch lag der Sonntag vor uns, an welchem wir noch einmal wichtige Themen behandeln sollten. Meine Rolle als Gruppenleiter meiner SHG: Was kann - und vor allem - was darf ich nicht? Die Arbeit in kleinen Gruppen brachte uns unseren Zielen näher und näher. Es zeigte sich, wir wussten alle sehr gut Bescheid über das, was wir nicht durften oder eben auch nicht. Was bin ich für meine Gruppe: Verantwortlicher - Berater - Anleiter - Begleiter - Kontrolleur. Immer mit einer Und/Oder - Funktion miteinander verknüpft. Hier zeigte es sich, dass viele von uns Doppel- und mehr Funktionen ausführen, das sollte vermieden werden. Delegieren heißt hier das Zauberwort. Was natürlich auch gelernt sein will. Darüber sollte innerhalb der Gruppe gesprochen werden. Wer kann was übernehmen.

Zum Schluss gab uns Peter noch den folgenden Satz mit auf den Weg: Am Ende ist alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

 

Gedanken zum Sprecherseminar 2014

von U. L.
Erst relativ spät hatte ich mich für das Sprecherseminar angemeldet. Nicht unbedingt wegen dem Tagungsort Gelsenkirchen, das Thema reizte mich: Meine Rolle als Gruppensprecher, Gruppenleiter, Organisator, Verantwortlicher, Ansprechpartner oder wie auch immer ich bzw. die anderen mich sehen. Obwohl ich erst am Freitagabend im Lichthof eintraf, fühlte ich mich gleich wie zu Hause angekommen in der Familie der DHS-Schlappohren. Echte (Hasen) gab es bei einem ersten Spaziergang auch zu sehen...

Was mir als erstes am Tagungshotel auffiel: helle und freundliche Räumlichkeiten, saubere Zimmer und viel Licht, ein behindertengerechter (ist das gleichzusetzen mit barrierefreier?) Fahrstuhl u. a. mit einem Notruf für Gehörlose!!! Wie das funktioniert, konnte sich keiner so richtig vorstellen. Also sprachen wir den Wachmann an, der extra für uns Hörgeschädigte in den Abend- und Nachtstunden seinen Dienst versah! Der Lichthof bietet zwar auch hörbehindertengerecht ausgestattete Zimmer, aber nur zehn. Im Ernstfall hätte der diensthabende Wachmann uns auf Gefahr hingewiesen. Solch einen vorbildlichen Service habe ich bisher noch nirgendwo erlebt.

Bereits am Freitagabend stimmten uns Regina, Karen und Peter auf das eigentliche Sprecherseminar der zwei Tage ein. In der Vorstellungsrunde wurde zwar nach Namen und Herkunft gefragt, doch waren nicht Jahre, Geburtsorte oder Tätigkeiten wichtig. Jeder sollte die Geschichte seines Namens erzählen... Das war interessant und spannend zugleich. Und ein meiner Meinung nach positiver Nebeneffekt: Die Namen lassen sich viel leichter merken, weil ja für jeden Namen eine Geschichte steht bzw. umgekehrt...

Überhaupt fand ich das Sprecherseminar in diesem Jahr sehr gelungen, was nicht nur am Thema und dem Umfeld lag sondern auch dank des dreiköpfigen Moderatorenteams. Regina (Atemtechnik, Meditation), Karen (Psychologin) und Peter (Audiotherapeut) ließen uns Ideen sammeln und „Geschenke" verteilen.

Theoretische Übungen wechselten mit praktischen ab und flossen in unsere Erfahrungen, Gedanken und gewonnenen Einsichten ein. In Gesprächen und während eines „Museumsganges" (Übung zum Präsentieren und Auswerten, in unserem Falle waren es Poster, die auf die Frage: „Was kann bzw. darf ich nicht als Gruppensprecher?" Antwort geben sollten)
Auch während der Pausen und nach dem Abendessen wurden weiter Gespräche geführt, Gedanken ausgetauscht und auch gelacht. Mindestens zwei Mitglieder wussten daraufhin, was sie sich zu ihrem bevorstehenden Geburtstag wünschten...

Aber zurück zum Fahrstuhl: Was passiert, wenn ich besagten Notruf für Gehörlose drücke? Gelangt der Ruf zum besagten Wachdienst im Haus oder löse ich eine größere Aktion aus?
Am nächsten Morgen erhielten wir Antwort von der freundlichen Angestellten an der Rezeption: Nach der Notrufknopfbetätigung meldet sich ein Notrufhelfer. Wenn niemand auf diese Ansage reagiert, weil der Gehörlose sie ja nicht hören kann, erscheint die Frage nach der Situation auf einem kleinen Bildschirm über dem Notrufknopf. Außerdem gibt es einen Knopf mit Gehörlosensymbol. Der Mensch in Not muss nur "Ja" oder "Nein" per Berührung (Touchscreen) anklicken - ob der Fahrstuhl kaputt ist, ob man Hilfe braucht, ob ein Krankenwagen oder die Feuerwehr kommen soll usw. Dann erfolgt die schriftliche Ansage, wann mit Hilfe zu rechnen ist bzw. wenn die Hilfe da ist, die schriftliche Aufforderung, die Tür freizuhalten. Und dazu gibt es auch noch eine Kamera im Aufzug, die bei Bedarf den Nothelfer sehen lässt, was im Aufzug passiert. (Keine Angst, „gefilmt" wird nur nach dem Notrufsignal, falls sich keiner meldet oder zu melden in der Lage ist). Der Notruf geht über die Herstellerfirma an die Zentrale... Also probierten wir den Knopfdruck doch lieber nicht aus. Die nette Dame stellte uns noch einen Zeitungsartikel über dieses wohl bis jetzt einmalige Notrufsystem zur Verfügung. Ein Dankeschön auch den weiteren Angestellten des Servicepersonals. Das Essen war zu jeder Mahlzeit reichlich und bot für jeden Geschmack etwas. Und wie erstaunt schaute ich, als ich in der Mittagspause mal kurz ins Zimmer huschte und das gemachte Bett noch viel ordentlicher aussah, der Schlafanzug akkurat zusammengelegt passte sich der Ordnung an und sogar mein Schlaf- Wuschelkuschel thronte dekorativ in Szene gesetzt auf dem Kissen.

Am Ende des Seminars genieße ich entspannt die vierstündige Bahnfahrt nach Hause, motiviert und voller Freude und Neugier, mit vielen Ideen. Alle meine Erwartungen an das Semianr wurden erfüllt. Danke dem Vorstand und allen Beteiligten für dieses erlebnis- und erfahrungsreiche Wochenende!

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