Eine eigene FM-Anlage für die Selbsthilfegruppe Bocholt

Artikel aus FORUM 20, Dezember 2003, Seite 28 ff

Wie kommt die Selbsthilfegruppe an eine eigene Mikroport-Anlage?
Viel Engagement und Einsatz sowie Sponsoren machen's möglich.

Eine eigene FM Anlage für unsere Selbsthilfegruppe

Regina Klein-Hitpass, SHG Bocholt

Ein lang gehegter Wunsch ist für unsere Selbsthilfegruppe endlich in Erfüllung gegangen! Seit August 2003 besitzen wir eine eigene funkelnagelneue Funk-Mikroportanlage. Träume sind dazu da, um wahr zu werden! Ich berichte hier, wie unser Traum Wirklichkeit wurde.

Im September 2002 haben wir eine große öffentliche Veranstaltung organisiert zum Thema Tinnitus. Referent war Herr Dr. Kratzsch aus Bad Grönenbach. Ist zwar zurzeit ein „Modethema“ in unserer Gesellschaft, für die erste größere Öffentlichkeitsarbeit der Gruppe schien uns das Thema besser zu sein, als sich nur auf das Thema Hörschädigung festzulegen. Wir ahnten, dass dann mehr Leute kommen würden. Und – es kamen weit über 100(!) interessierte Zuhörer! Damit haben wir in unseren kühnsten Träumen nicht gerechnet. Die Veranstaltung wurde auf mehreren Internetseiten veröffentlicht. Über 100 Einladungen verschickten wir an Ärzte, Krankenkassen, Akustiker, Arbeitsämter, Selbsthilfevereine und Selbsthilfegruppen (SHGen). Diese große Mühe und der tolle Erfolg mit der Organisation waren eigentlich ausschlaggebend für die Bewilligung der Anlage gewesen.

Neben einem Schreibdolmetschereinsatz benötigten wir eine zusätzliche FM-Anlage. Leider wurde uns verwehrt, eine auszuleihen mit der Begründung, sie könnte kaputt gehen, solch eine Anlage ist zu teuer. Dafür hatten wir kein Verständnis, wo bleibt da die Solidarität? Nun, wir mussten eben ohne Anlage auskommen. (Aus Zeit- und Organisationsgründen bekamen wir so schnell keine andere mehr)

Unsere Gruppentreffen finden vor Ort in der Beratungsstelle für Hörgeschädigte statt. Diese wiederum unterliegt dem Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV). Unsere Sozialarbeiterin, von mir meist über das Gruppengeschehen informiert, legt jährlich einen Jahresbericht und verschiedene Kurzberichte über ihre Arbeit in der Beratungsstelle dem DPWV im Kreis vor. So formulierten wir u. a. auch, dass es zu bedauern ist, dass die SHG keine eigene FM-Anlage besitzt und habe mit ihr zusammen die Bedeutung und Wichtigkeit der Anlage für die Gruppe herausgearbeitet. Anscheinend hat dieser Text ihren Chef wiederum besonders angesprochen. Ich bekam von ihm eine Einladung, er möchte mich persönlich kennen lernen und er wäre bereit, sich für die Beschaffung der Anlage einzusetzen.

Sponsoren gesucht

Bereits im November 2002 fand dieses Gespräch statt. Er lobte uns als sehr aktive SHG, die nun seit mehr als sieben Jahren Bestand hat. Er wollte sich für uns einsetzen. Dafür brauche er einen Bericht über die Gruppenarbeit und zwar so schnell wie möglich. Er würde dann gleich zum Jahresanfang 2003 Sponsoren suchen. Bekanntlich sollen alle Anträge früh eingehen, damit Gelder besser verteilt werden können. Jetzt war ich als Gruppensprecherin gefragt. Wie gehe ich vor, damit auch alle Aktivitäten der Gruppe genannt werden? Ich wollte die Gruppe gut „verkaufen“. Seit Bestehen der Gruppe dokumentiere ich alle besonderen Anlässe in der Gruppe, wie Vorträge, Einladungen von anderen SHG, Fachvorträge, Veranstaltungen, die die Mitglieder gemeinsam besucht haben, auch Feste wie Weihnachtsfeiern, Geburtstage, Ausflüge usw. Diese Berichte von den letzten drei Jahren kopierte ich einfach und schickte sie dem DPWV. Einen Kostenvoranschlag brauchten sie auch. Zusammen mit der Sozialarbeiterin fuhr ich zur Fa. Research in Rheine, (einen Urlaubstag opfern?), wir informierten uns und probierten auch aus. Wir entschieden uns für das Standardmodell mit einem Mikrofon und zehn Empfängern.

Es ist sehr nützlich, einen Kurzbericht über die 'besonderen' Gruppennachmittage zu schreiben. Das muss nicht viel Arbeit sein, es braucht nur drauf zu stehen, was der Anlass ist, Name des Referenten, was er an Honorar bekommen hat, ob es in der Gruppe positiv angenommen wurde, wer von der Gruppe da war, wer sich entschuldigt hat. Oft ist nicht mehr als eine halbe Seite zu lesen. Die Berichte lohnen sich inzwischen. Diese schicke ich dem Kreis oder z. B. der AOK mit bei der Beantragung von Fördermittel. So können diese Sachbearbeiter sich über gute Gruppenarbeit informieren und sind großzügiger mit der Vergabe der Fördermittel. Ich kann an dieser Stelle jedem Gruppensprecher raten, auch so vorzugehen. Die Mühe lohnt sich!

Anlage genehmigt

Inzwischen war fast ein halbes Jahr vergangen, ehe ich über die Sozialarbeiterin erfuhr, dass uns eine Anlage genehmigt wird. Hurra! Wir durften uns eine holen.
Im August 2003 erfolgte dann die offizielle Übergabe der Anlage in der Stadtsparkasse, die sie sponserte. Zwei Herren von der Sparkasse, Herr H. vom DPWV Ahaus, Fr. L. von der Beratungsstelle und von der Gruppe kamen Doris und ich zur Feier. Wir durften die Anlage gleich vorführen und die Herren zeigten sich beeindruckt von der Erleichterung bei der Kommunikation mit uns Schwerhörigen.

Zweimal konnten wir die Anlage inzwischen benutzen. Bei einigen Mitgliedern ist es noch gewöhnungsbedürftig, mit der Zeit wird die Anlage zur Selbstverständlichkeit. In Zukunft werden wir uns sicher mit der Anlage noch viele Türen öffnen zur aktiven Teilnahme bei öffentlichen Veranstaltungen usw. Die Anlage bleibt Eigentum der Beratungsstelle. Die Sozialarbeiterin möchte die Anlage auch für ihre Arbeit im persönlichen Gespräch mit Klienteln nutzen. Das ist auch okay. Der Gruppe steht sie jederzeit zur Verfügung.

Ich hoffe, mit meinem Beitrag andere SHGen zu motivieren, sich selbst um eine FM Anlage zu bemühen. Sicher hat nicht jede Gruppe eine Beratungsstelle oder ähnliches, aber einen Ansprechpartner für den Gruppensprecher gibt es sicherlich. Er sollte sein Anliegen ruhig, sachlich und kompetent vortragen. Es ist wichtig, immer wieder zu betonen, welche großen Vorteile eine Anlage hat oder wie viel besser es ist, eine für die Gruppenarbeit oder Öffentlichkeitsarbeit benutzen zu können. Praktische Beispiele aus der Gruppenarbeit sollten hervorgehoben werden. Dann können auch Träume und Wünsche wahr werden!

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