Gelebte Selbsthilfe pur – Runder Tisch SHG 27.05.2016

Von IR

Ich bin schon viele Male beim RUNDEN TISCH SHG dabei gewesen – mein Debüt hatte ich als „stilles Mäuschen“ 1999, dazumal noch in den alten Gemäuern der Baumrainklinik mit Übernachtung im Hotel. Boah, was war ich beeindruckt von der Tagung, von den Inhalten, von den selbstbewussten TeilnehmerInnen um Erika, Anne, Angela, Regina…

Thema war damals schon die Finanzierung der SHG-Arbeit. Für mich besonders wichtig, hatte ich doch 1998 eine SHG für Hörgeschädigte in Niesky ins Leben gerufen. Ich bin immer noch dankbar für die ersten wichtigen Anleitungen und Wissensvermittlungen. Ein wichtiges Thema, welches sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltungen in den Jahren zog, wird es doch immer wieder gern von „Alten Hasen“ oder Neulingen am RUNDEN TISCH debattiert.

Bis heute erinnere ich mich zurück an die Tagung 2000, als wir einen Pressevertreter zu Gast hatten, der uns Praxistipps zur erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit mit den territorialen Printmedien vermittelte. Mir fallen noch viele wertvolle Themen aus 20 Jahren RUNDER TISCH SHG ein, die wir in der SHG erfolgreich umsetzen konnten. Das würde ein FORUM füllen biggrin.

Ich möchte aber über die Veranstaltung in diesem Jahr 2016 berichten. Die Deutsche Hörbehinderten Selbsthilfe (DHS) im Haus Maria Immaculata Paderborn: ein neuer Veranstaltungsort – und eine gelungene Wahl. Man konnte sich rundum wohlfühlen bei der freundlichen Gastlichkeit, dem idyllischen Park mit der betörenden Rhododendron- und anderen Blütenvielfalt, dem guten Essen – und in der Gemeinschaft der Schlappohren.

Seit einigen Jahren hat sich bewährt, für den RUNDEN TISCH SHG keine speziellen Schwerpunktthemen vorzubereiten, damit der Austausch von Erfahrungen bei bestimmten Problemen nicht zeitbegrenzt bleibt. Die Teilnehmer bestimmen mit ihren Anliegen und Sorgen den Tag selber. Während der Eröffnungsrunde darf jeder Teilnehmer vortragen, welche Erwartungen er hat und wird damit zum Mitgestalter der Runde.

Folgende interessante Fragen standen dieses Jahr zum Beispiel im Mittelpunkt:

  • Die CI-Versorgung bei Schwerhörigen nimmt zu.
    Die Euphorie ob des neuen besseren Verstehens macht sich breit. Gesprächsthemen in der Gruppenarbeit driften auseinander, da sich die Interessen (scheinbar) verschieben. Mit Hörgerät versorgte Gruppenmitglieder fühlen sich unter Druck gesetzt, wenn sie von dem Erfolgen der Implantierten hören, ihre Entscheidung aber anders getroffen haben.
  • Wie gehe ich als Gruppensprecher mit Verletzungen um?
    Dazu gab es in den Jahren beim SPRECHERSEMINAR immer wieder verschiedene Seminare zu Verhaltensregeln. Der Gruppensprecher sollte nichts persönlich nehmen. Und er sollte sich bewusst sein, dass er diese Aufgabe irgendwann freiwillig übernommen und die Übernahme der Aufgaben nie studiert hat.
  • Wie schaffe ich es, viele Gruppenmitglieder zum Mitmachen zu motivieren?
    Irgendwann im Laufe des Tages fiel der Begriff: SHG = Bediengesellschaft?
    Das „Wir-Gefühl“ muss gestärkt werden.
    Es sollte jeder Gruppensprecher mit derartigen Problemen in der Gruppe nachdenken, ob seine Ansprüche an die SHG auch mit den Ansprüchen der Mitglieder übereinstimmen. Und er muss Verantwortung abgeben können.
    Schafft es die SHG die Aufgaben zu verteilen, profitiert am Ende in der Regel jeder: Der Organisator ist stolz, wenn eine Veranstaltung erfolgreich war, die Gruppe kommt gern zusammen wegen der wechselnden Themenvielfalt und der Gruppensprecher darf sich zufrieden zurücklehnen und ein „pupsnormales“ biggrin Gruppenmitglied sein.

Weitere kurzweilige Themen wurden angeschnitten und mit viel Kompetenz der erfahrenen Gruppensprecher diskutiert. Die abschließende Feedbackrunde brachte es wieder zur Sprache: Der RUNDE TISCH SHG hat seine Daseinsberechtigung und sollte unbedingt am Leben erhalten werden. Es ist ein lohnenswertes Geben und Nehmen - das ist gelebte SELBSTHILFE pur.

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