Gebärdensprache? Brauch' ich nicht - oder doch?

 Forum 36, Winter 2011, Seite 71
Frau mit Handform ILY, I love you, der Gebärdengruß

Mit den Händen reden, Körpersprache und Mimik einsetzen - damit tun sich viele Hörbehinderte schwer. Dabei können Gebärden und Fingeralphabet die Kommunikation sehr wirksam unterstützen. Unserem Mitglied Meike Böhm machen Gebärden obendrein viel Spaß. In ihrem Bericht schildert sie, wie und wo sie die Lust an der Gebärdensprache gepackt hat.

Gebärdensprache? Brauch’ ich nicht – oder doch???

von Meike Böhm

Meine ersten Erfahrungen mit Lautsprache Begleitenden Gebärden (LBG) machte ich vor drei Jahren in Bad Berleburg in meiner Reha – zunächst einfach nur aus Neugier, dann auch, weil es mir Spaß machte und wir uns besser mit unseren gehörlosen Mitpatienten verständigen konnten. 

Für Capuccino zeichnet die Hand mit allen Fingern eine Schaumkrone nachNach der Reha war das Interesse geweckt – aber in meinem Umkreis niemand da zum Üben. Und die Phönix-Nachrichten? Die Gebärdendolmetscher dort sind viel zu schnell!

Zwar bietet der Leiter unserer Selbsthilfegruppe, Rainer, einen LBG-Kurs an, aber die Entfernung nach Darmstadt ist für mich im Feierabendverkehr in der Woche zu weit.

So freute ich mich also sehr, dass die DHS 2010 einen einwöchigen LBG-Kurs in Rendsburg anbot. Eine Woche mit anderen lieben Schlappohren zusammen sein und gemeinsam Gebärden lernen – super! In Rendsburg wurde mir der Nutzen für mich selbst richtig bewusst: Eine Unterhaltung in der lauten Kantine wurde möglich, das Zuhören durch die begleitenden Gebärden entspannter!

Aber wieder zu Hause? Wir wollten uns zwar wiedertreffen, wohnen aber alle sehr weit auseinander … Was tun? Unsere VHS bietet leider keine Gebärdenkurse an.

Finger deuten die Spitze des Sahnehäubchens an
Durch eine gehörlose Patientin wurde ich auf das Gehörlosenzentrum in Frankfurt aufmerksam – und fand dort einen Anfängerkurs für die Deutsche Gebärdensprache (DGS).

Bereits der erste Kurs dieses Jahr im Mai war für mich eine Offenbarung. Im Gegensatz zu den guthörenden Teilnehmern war der Unterricht bei einer gehörlosen Lehrerein für mich fast entspannend, weil wir eben alle keine Ohren benutzen konnten – die Pausen mit all den durcheinander redenden Menschen fand ich dagegen sehr anstrengend …

Maggy, unsere Kursleiterin, verstand es, so viel Spaß und Interesse an Gebärden zu wecken, dass wir uns jetzt mit einigen Teilnehmern regelmäßig mit ihr zum Stammtisch treffen. Für mich toll, denn endlich macht ein Kneipenbesuch wieder Spaß, und ich bin "mittendrin", da sich alle mit Gebärden "abmühen"! Also wieder ein Schritt aus der Isolation, für den ich sehr dankbar bin!

Übrigens dankt es mir tatsächlich auch meine Umwelt, denn ich merke, dass meine Patienten (ich bin Physiotherapeutin) auch davon profitieren. Egal, ob älter und auch schon "etwas schwerhörig" oder ausländische Menschen, die sich mit der deutschen Sprache schwertun – gebärdenunterstützte Sprache ist auch für "Laien" eine Hilfe!


 

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