SEMINAR Hör- und Kommunikationstaktik 2012

SEMINAR Hör- und Kommunikationstaktik 2012 - Bad Berleburg / FORUM 37 Sommer 2012

Doppelt hält besser: HuK – die Zweite… 

Text & Bilder B.M.

Vor zwei Jahren besuchte ich zum ersten Mal das Hör- und Kommunikationstaktik-Seminar (HuK), dieses Jahr wollten wir eigentlich zu zweit teilnehmen, nachdem mein Mann (trotzdem er mich seit 13 Jahren mit Hörgeräten kennt) davon überzeugt war, dass es auch ihm nicht schaden könnte, etwas zu lernen… und ich meinen Zusammenbruch auf dem damaligen Seminar in der Zwischenzeit auch verarbeitet habe.

Seminarleiterin Erika Classen und TeilnehmerAlso zwei Personen angemeldet, Urlaub eingereicht, gefreut und – Pustekuchen! Der Urlaub meines Mannes wurde aus dienstlichen Gründen gestrichen.Also bin ich alleine gefahren. Ich hatte schon Bedenken, dass das Seminar ganz abgesagt würde, durch unsere eine Absage ist die Teilnehmerzahl unter acht gefallen. Aber es fand statt. Erika erzählte, dass es bis zum Schluss noch Abmeldungen gab, aber auch noch sehr kurzfristige Anmeldungen, so dass es letztendlich doch bei sieben TeilnehmerInnen blieb. Außer mir war Irmtraut schon zweimal auf dem Seminar, die anderen noch nie.

Aber das war’s noch lange nicht mit den Turbulenzen… Die Anreise mit dem Zug verlief ganz gut, laut Einladung sollte um halb sechs Uhr abends Treffpunkt an der Rezeption der Baumrainklinik sein. Ich traf schon Peter Dieler und zwei weitere Teilnehmerinnen, aber von Erika keine Spur – die wartete nämlich im Hotel… und hat diese und andere wichtige Informationen in ihrem (wie immer liebevoll gestalteten) Begrüßungsbrief weitergegeben, die ebenfalls leider nicht im ursprünglichen Einladungsschreiben der Deutschen Tinnitusliga (DTL) erwähnt waren (zum Beispiel Möglichkeit der Benutzung von Schwimmbad und Sauna in der Klinik) - einige TeilnehmerInnen hätten dieses Angebot gerne genutzt, hatten nun aber keine Badesachen dabei.

Zum Schluss haben wir uns dann doch alle getroffen und nach dem Abendessen im Speisesaal 3, den wir die ganze Zeit nur für uns hatten, begann es mit der Vorstellungsrunde. Diesmal war kein Ehepaar dabei, aber ein einziger Mann (neben Peter!) in der Runde – und Alphonse kam aus Luxemburg! Auch waren die TeilnehmerInnen bis auf mich fast alle über die DTL gekommen – ich habe mich schon gefragt, ob es in der DHS keinen Bedarf mehr bei den Mitgliedern gibt?

Hilfe zur Selbsthilfe

Ich kann nur sagen, die Doublette hat mir sehr gut getan – konnte ich doch für mich überprüfen, was vom ersten Seminar hängengeblieben ist und von mir im Alltag und Berufsleben bisher umgesetzt wurde. Auch wenn ich für mich immer noch Verbesserungspotential sehe, denke ich, dass die ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ – wie Erika es auch ausgedrückt hat – gerade für Neulinge ungeheuer wertvoll ist – auch wenn die Neulinge schon jahrelang Hörgeräteträger sind!

huk2012-gruppenbild-sepia

Einer der Schwerpunkte lag wieder auf der richtigen Verwendung von Begriffen (ablesen – absehen; taubstumm – gehörlos; hören – verstehen; Hörbehinderung – Kommunikationsbehinderung und andere). Schon allein durch die richtige Wortwahl kann es gelingen, Nicht-Betroffene neugieriger und aufmerksamer zu machen, dies kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen – bei meinen Auszubildenden bin ich deswegen ein bisschen ‚verschrien‘, weil ich auf diesen Aspekt immer wieder aufmerksam mache (und nicht nur im Rahmen von Höreinschränkungen).

Austausch zum Thema Cochlear Implantat

Großes Interesse herrschte in der Gruppe an Informationen zum Cochlear-Implantat (CI) – einige sind schon zu Voruntersuchungen gewesen. Hier hat Peter am Samstag wieder in bewährter Art alle Fragen zur Technik beantwortet – nachdem er die ‚obligatorische‘ Klinikführung durchgeführt hatte (diese Zeit habe ich diesmal mit einer kurzen Walking-Tour ausgefüllt - das Wetter war einfach zu verlockend und die Ausblicke auf Bad Berleburg sind einmalig schön – und erst die Ruhe).

Höhepunkt war das Erstellen der Gruppencollage zum Thema ‚als Hörbehinderte/r in der hörenden Welt‘ und die Besprechung der Kommunikationsbrücke.

Ein weiterer Diskussionspunkt war ein Kennzeichen, um Hörende auf unser Defizit aufmerksam zu machen – mit entsprechender Berücksichtigung in unterschiedlichen Kommunikationssituationen. Die Meinungen gingen auseinander. Ich denke, dass es durchaus sinnvoll ist, zumal unsere 'Einschränkung'relativ unsichtbar ist…

Unsere Unterkunft hätte nicht besser ausgewählt sein können - freundliche Wirtsleute, saubere Zimmer, ausgiebiges Frühstücksbuffet und die Möglichkeit, am Freitagabend Gast bei der 'Criminale 2012' - Lesung zu sein. Die Chance wurde von einigen trotz des langen Seminartages genutzt und nicht bereut! Auch konnten wir abends noch in gemütlicher Runde bei Wein oder Bier zusammensitzen - ohne Einschränkungen.

Alles in allem war dies ein Wochenende, an dem Kreativität viel Raum hatte - vielleicht gibt es ja mal die Möglichkeit, das Seminar für ‚Fortgeschrittene‘ anzubieten? Ich jedenfalls habe wieder viele, zum Teil auch neue, Eindrücke mitnehmen können.